Sonntag, 16. August 2015

Kanonen auf hoher See - Patrick O'Brian

Rezension zu 'Kanonen auf hoher See' von Patrick O'Brian



Erscheinungsjahr: 2003 (Original: 1978)
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 385
Verlag: Ullstein
ISBN-13: 978-3-548-25212-4
Preis: 8,95 €


KURZBESCHREIBUNG: 
Mit letzter Kraft kriecht die 'Leopard' unter Kommandant Jack Aubrey in den Zielhafen Pulo Batang ein. Die Strapazen der Reise nach Neu-Holland sind Mannschaft und Schiff wahrlich anzusehen. Doch außer der Zeit für ein Kricketspiel bleibt Aubreys Mannschaft und seinem Bordarzt Stephen Maturin nicht, denn der Kapitän soll die Fregatte 'Acasta' übernehmen. Allerdings gerät der Plan vollkommen aus dem Ruder, als sie erfahren, dass sich Amerika und England im Krieg befinden und dann auch noch das Schiff 'Fléche', welches sie in die Heimat bringen soll, Feuer fängt und chanchenlos niederbrennt. Als Schiffsbrüchige gelangen sie auf die 'Java' und werden bald in ein Gefecht mit der amerikanischen 'Constitution' verwickelt, welches die 'Java' dem eigentlich kleineren Gegner unterliegt und Aubrey, Maturin sowie der Rest der Mannschaft in amerikanischer Gefangenschaft landen. Aubrey wird bei dem Gefecht schwer verletzt, muss sogar um seinen rechten Arm fürchten und gelangt unglücklicherweise obendrauf noch in einer Irrenanstalt. Da etliche Franzosen in Boston unterwegs sind, droht Maturins Agenten-Arbeit aufzufliegen; besonders als er Harry Johnson, den reichen Lebenspartner seines Schwarmes Diana Villiers kennen lernt. Dieser hat großen Einfluss in der Wirtschaft wie auch Politik und scheint Maturin in die Enge zu treiben. Eine brisante Situation für die Freunde Aubrey und Maturin, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt...

KOMMENTAR:
Der sechste Band der Reihe um Jack Aubrey und seinem Freund Stephen Maturin folgt der Handlung des Vorromans und erzählt die weitere Geschichte von der 'Leopard'. Dies stellt Neuleser der Serie allerdings nicht vor eine große Herausforderung, denn die relativ einfachen Zusammenhänge werden recht schnell erklärt. 'Kanonen auf hoher See' besticht durch seine unvorhersehbaren Geschehnisse, die unsere Protagonisten immer wieder in prekäre Situationen bringen. Autor Patrick O'Brian gelingt es auf den Seiten, die Schlacht der Schiffe 'Java' und 'Constitution so lebendig zu beschreiben, dass der Leser glaubt, neben Lucky Jack an Board zu sitzen und beim Kanonen-laden mithilft. Der Roman neigt sich während der Gefangenschaft von Maturin und Aubrey etwas zu strecken, doch dann zieht O' Brian auf den letzten einhundert Seiten noch mal derart an, dass einem - gerade von der unbekannten Kaltblütigkeit des ansonsten manchmal wahrlich melancholisch wirkenden Stephen Maturin - vor Staunen die Spucke wegbleibt. 'Kanonen auf hoher See' ist somit trotz viel weniger Bootzeit als in den gesamten Vorgänger-Büchern ein sehr guter maritimer Historien-Roman, der nicht nur Aubrey/Maturin - Fans gefallen sollte!
8,8 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- sechstes Buch um Jack Aubrey und Stephen Maturin 
- Erklärung der seemännischen Fachausdrücke  (u.a. anhand einer Zeichnung der HMS Victory)
- Jack erfährt, dass er nochmal Onkel wurde
- Louisa Wogan und Michael Herapath wurden mittlerweile Eltern der kleinen Caroline
- erster richtiger Auftritt von Harry Johnson, Dianas Lebensgefährte und Geschäftsmann
- Louisa hat eine Affäre mit Harry
- Stephen macht Diana einen weiteren Heiratsantrag
- erster Auftritt von Philip Broke, Jacks Vetter und Kapitän der 'Shannon'