Donnerstag, 5. Mai 2016

Verlorene Seelen - Poppy Z. Brite

Rezension zu ' Verlorene Seelen' von Poppy Z. Brite



Erscheinungsjahr: 1992 (Original: 1992)
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 349
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN-13: 3-404-13417-6
Preis: 9,80 DM (vergriffen)


KURZBESCHREIBUNG: 
Als die Vampire Molochai, Twig und Zillah sich während des ‚Mardi Gras‘, der Karnevalzeit in New Orleans, in Christians Bar mit Drogen, Alkohol und dem jungen Mädchen Jessy vergnügen, ahnt keiner der Beteiligten, welche Auswirkungen diese exzessive Nacht haben soll. Denn Jessy wird schwanger und fünfzehn Jahre später macht sich eben jener entstandene Junge namens Nothing auf den Weg, um zu sich selbst zu finden. Er fühlte sich in all den Jahren nie zu seinen eigenartigen Adoptiv-Eltern hinzugezogen und sucht nun einen neuen Weg für sein Leben. Impulsiv nimmt er eine Musikkassette als Startpunkt, denn der Sound wie auch die Texte der recht unbekannten Band ‚Lost Souls?‘ sprechen ihn sehr an. Ein guter Grund, diese Band in dem kleinen Ort Missing Mile aufzusuchen. Er ahnt nicht, das sein Erzeuger Zillah mit seinen Freunden Molochai und Twig ebenfalls in der Nähe sind; der ehemalige Barbesitzer und Alt-Vampir Christian ebenfalls auf dem Weg in ein neues Leben ist und die Bandmitglieder Steve und Ghost derzeit eine sehr schwere Phase durchleben…

KOMMENTAR:
Das 1992 erschienene Buch 'Verlorene Seelen' ist kein klassischer Vampir-Roman. Vielmehr kann man ihn aus heutiger Sicht als einer der Startpunkte von den modernen Vampir-Serien sehen, die den Markt seitdem regelrecht überfluteten. Denn wie in diesen jüngeren Romanen sind die Vampire von der Autorin Poppy Z. Brite junge Wilde mit vielen Emotionen aber wenig Moral. Sämtliche Protagonisten in dem Roman sind sexuell zweigleisig orientiert und Leben wie Lieben den Exzess von 'Sex & Drugs & Rock'n'Roll' - wenn auch letzteres in seiner düsteren Variante. Dies hat mir übrigens ziemlich gut gefallen, von persönlich musikalischen Lieblingen wie 'Bauhaus' zu Lesen. Ich weiß nicht, wie gut sich die Autorin in der Szene auskennt und wie die amerikanische Gothic- und Dark-Wave Gesellschaft in Amerika ausschaut, aber ich finde diese im Roman stellenweise ein wenig überzogen dargestellt; was allerdings aus schriftstellerischer Sicht Sinn macht. So wirkt das Gesamtbild interessanter, wenn nicht gar faszinierender. Die im Roman erwähnten Filme 'The Lost Boys' und 'Near Dark' geben übrigens eine ähnliche Anschauung zu der Gattung Vampire ab. Ich kann mir gut vorstellen, dass Brite aus den Filmen einige Inspirationen für 'Verlorene Seelen' erhielt. Der Roman ist gut geschrieben und treibt schlussendlich einem Finale entgegen, was allerdings irgendwie weder gezwungen noch gewollt erscheint - es hat mehr den Eindruck, als schrieb die Autorin einfach weiter ohne selber zu wissen, wohin der Handlungsfaden führt. Das mag nun negativer klingen, als es tatsächlich ist. Es kommt nur beim Lesen etwas rüber, dass die Charaktere ziemlich passiv denn aktiv agieren, wenn dann nur aus der Not heraus. Insgesamt ergibt dies einen Roman, welcher an der Grenze vom klassischen Vampir-Roman zu den jugendlicher gesinnten Neuwerken dieser Kategorie steht. Zeitverschwendung ist er aber keinesfalls, besonders Freunde der erwähnten dunkler Musik werden sich über etliche Abschnitte des Romans erfreuen können...
7,5 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- Danksagungen der Autorin