Dienstag, 5. Juli 2016

Hafen des Unglücks - Patrick O'Brian

Rezension zu 'Hafen des Unglücks' von Patrick O'Brian




Erscheinungsjahr: 2002 (Original: 1986)
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 413
Verlag: Ullstein
ISBN-13: 978-3-548-25642-2
Preis: 8,95 €


KURZBESCHREIBUNG: 
Kapitän Jack Aubrey begibt sich mit seiner geliebten 'Surprise' auf deren letzte Reise. Erfreulich war an dieser nichts, denn auch die Aussicht auf eine Prise bei der Jagd nach der amerikanischen 'Spartan' bleibt erfolglos. In der Heimat geht das Unglück weiter: neben den laufenden Prozessen wegen seiner Misswirtschaft fällt Aubrey auch noch auf einen Börsenschwindler herein und es droht ihm, all sein Hab und Gut zu verlieren. Dazu glaubt der Kapitän durch das Erscheinen von Samuel Panda, einem farbigen Jungspund, der aus einer Jugendsünde von Jack entstand, dass seine Ehe mit Sophie ebenfalls gefährdet ist. Auch sein Freund Dr. Stephen Maturin erfährt weniger Gutes: der englische Geheimdienst unterliegt einem bedrohlichen Umschwung, der nicht wenige Agenten aufdecken kann. So muss er ebenfalls aufpassen, dass ihm nichts Übles widerfährt. Gleichzeitig muss er feststellen, dass seine Frau Diana Villiers aufgrund der Nachricht, dass Stephen mit einer schönen Unbekannten auf Malta auffällig herumflaniert sein soll, sich mit dem Schönling Jagiello nach Schweden abgesetzt hat. Ist das das Ende seiner recht eigenartigen Ehe? Zusammengefasst keine guten Neuigkeiten für die beiden Freunde Jack Aubrey und Stephen Maturin ...      

KOMMENTAR:
Der elfte Roman der Serie um Kaptiän Jack Aubrey und Doktor Stephen Maturin ist nur im ersten Drittel wirklich als 'maritimer' Lesestoff zu nennen, drehen sich die restlichen Seiten doch vielmehr um die finanziellen Missgeschicke von 'Lucky Jack', den dieses Glück zu verlassen scheint, sobald er auch nur einen Fuß auf festen Boden setzt. Dieser und weiteren Dramaturgien widmet sich Autor Patrick O'Brian in dem Roman 'Hafen des Unglücks' ausführlich, so dass zwar eine gute Handlung und jede Menge interessanter Dialoge, jedoch weniger Action die Seiten des Buchs füllen. Es ist schon ziemlich herzzerreißend, wie dem armen Jack in dieser Geschichte geschieht. Umhüllt wird das ganze mit einer gelungenen Ladung an Melancholie zum Abschied seiner geliebten Fregatte 'Surprise'. Der Roman ist aber auch eine Geschichte um wahre Freundschaft, denn anders kann man es nicht nennen, was Stephen bei all seiner ungewollten Komik und Schludrigkeit für seinen alten Weggefährten Aubrey auf sich nimmt. O'Brian ist dabei jederzeit für eine Überraschung in der Handlung gut, auf diese genauer einzugehen, würde nun allerdings die Grenze des Spoilerns überschreiten. Daher kann ich nur empfehlen, den Roman trotz limitierter maritimen Ereignissen zu Lesen. Freunde der Serie werden die vielen persönlichen Geschehnisse der Protagonisten ebenso zusagen, wie eine kanonen-gewaltige Schlacht auf hoher See...
7,8 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- elftes Buch um Jack Aubrey und Stephen Maturin
- Erklärung der seemännischen Fachausdrücke  (u.a. anhand einer Zeichnung der HMS Victory)
- Karte zur Verfolgung der 'Spartan'
- Vorbemerkung des Autors
- erster Auftritt von Samuel Panda, dem unehelichen Sohn von Jack Aubrey
- Samuel entstand aus einer kurzen Beziehung seiner Mutter Sally Mputa und Jack in der Jugendzeit
- Samuel ähnelt seinem Vater verblüffend, jedoch hat er schwarze Haare und eine dunkle Hautfarbe
- Samuel macht sich auf den Weg nach Brasilien, um Priester zu werden
- Diana Villiers hat sich aufgrund einiger Gerüchte mit Gedymin Jagiello nach Schweden abgesetzt
- Aubrey wird wegen Börsenmanipulation vor Gericht verurteilt und aus der Royal Navy entlassen
- Stephen kauft der Navy die 'Surprise' ab und macht einen Freibeuter aus ihr
- als Kapitän setzt Maturin seinen Freund Jack ein