Mittwoch, 28. Dezember 2016

NEW MODEL ARMY - 17.12.2016, Köln


Wie sagte es Justin Sullivan, Sänger der britischen Indie-Rock Band NEW MODEL ARMY eingangs so treffend: "Here we are ... again!" Es war wieder einmal Zeit für das Weihnachtskonzert von NEW MODEL ARMY, welches nun schon jahrelang, regelrecht traditionell in Köln abgehalten wird. Als Support waren allerdings zuerst DOUGLAS FIRS auf der Bühne, die pünktlich um 19 Uhr mit ihrem dreiviertelstündigem Set begannen. Die Band um Sänger und Mastermind Gertjan Van Hellemont boten ihren eher ruhigen Rock, welcher mit psychedelischen wie auch jazzigen Elementen untermalt ist. Die meisten der dargebotenen Stücke waren aus dem aktuellen Album 'The Long Answer Is No' entnommen, wobei mit Caroline wohl das bekannteste Stück zu nennen ist. Die Band mag bestimmt den einen oder anderen Hörer für sich begeistert haben, auch wenn der Musikstil schon etwas anders ist, als der Hauptband des Abends.

DOUGLAS FIRS
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

Der zweite Anheizer konnte zumindest dieselben musikalischen Wurzeln wie NEW MODEL ARMY aufweisen, denen sie allerdings immer noch kompromisslos folgen. Die Rede ist von der deutschen Punk-Band ABWÄRTS, welche in den sechzig Minuten mit Ich seh die Schiffe den Fluss herunterfahren eine Reise durch ihren illustren Back-Catalogue startete. Hart, heftig und vor allem sozialkritisch traten die Jungs um Sänger Frank Zeigert auf und Lieder wie Europa Safe sind aktueller denn je. Da ABWÄRTS schon mehr Jahre als der Haupt-Act auf dem Buckel haben, war gerade unter den nicht wenig aufgetauchten älteren Zuschauern oftmals ein freudiges Grinsen zu sehen. Es war ebenfalls nochmal schön, Bassist / Gitarrist Rodrigo Gonzalez abseits seiner Aktivitäten bei DIE ÄRZTE in einer derberen Variante zu erleben. So machten Songs wie Alkohol oder das abschließende Computerstaat eine wahre Freude, auch wenn der Gesang insgesamt etwas schwach abgemischt war. Punk forever...

ABWÄRTS
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

NEW MODEL ARMY starteten bald darauf ihren Weihnachts-Gig und hatten es wieder einmal geschafft, das 'Palladium' ziemlich voll zu packen. Ich meine dort schon einen dürftigeren Andrang gesehen zu haben. Das ist allerdings nicht unbegründet, die beiden Vorgänger-Alben und das aktuelle ultra-starke 'Winter' sind wahre Höhepunkte in der Bandgeschichte, die nun auch schon langsam in Richtung vierzigjähriges Bestehen kriecht. Das hält Justin Sullivan und Kollegen jedoch nicht ab, wie ein guter Rotwein immer besser zu werden! So begann das Quintett auch mit Burn The Castle einen Track aus dem neuen Werk, welches die Zuschauer allerdings im Refrain schon lautstark mitsingen konnten! So lag der Fokus der Liedauswahl mit Songs wie dem Titelgeber Winter, Drifts oder Born Feral bei eben jenem aktuellem Output. Auf der Bühne hörten sich die Stücke allesamt noch druckvoller und lebendiger an, wie auf dem Silberling. Meiner Meinung nach trägt das noch recht junge Bandmitglied und hauptsächlich an der Bassgitarre agierende Ceri Monger vieles dazu bei, da er auch drum-technisch hervorragend unterstützt und die Lieder einfach wuchtiger klingen lässt. Im leichten Nebel und rot-blau wechselndem Bühnenbild wirbelte allerdings hauptsächlich Mastermind Justin Sullivan hin und her - mal mit Gitarre unterwegs, häufig aber einfach gestikulierend. Auch seine Ansagen waren tiefschürfend; man merkt schnell, dass er mit vielem auf der Welt nicht zufrieden ist, es jedoch liebt, das jährliche Weihnachtskonzert in Köln abzuhalten. Bejubelt der älteren Werke wegen wie No Rest und natürlich dem großen Break-Trough aus der Indie-Rock-Szene 51st State feiert so Band und Fans die gemeinsame Zeit.

NEW MODEL ARMY
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com

Leider ging diese viel zu schnell vorbei und nicht wenige waren überrascht, dass die Briten nach dem tollen und sehr rockigen Wonderful Way To Go schon die Bühne verließ. Bald tauchten die mittlerweile allesamt reifen Jungs wieder auf, um im ersten Zugabeblock ihre sehr starke Zeit der auslaufenden Achtziger Jahre mit Family (was für alle Fans gewidmet war), Poison Street und Get Me Out nochmals tatkräftig aufleben zu lassen. Teil Zwei des Nachschlags räumte mit den etwas ruhigeren Songs High und dem super arrangierten Purity am Ende mit I Love The World nach guten 110 Minuten ebenfalls kräftig ab. NEW MODEL ARMY sind live mittlerweile wieder eine echte Spitzen-Hausnummer, wovon jeder einzelne angereiste Fan liebend gerne mehr gehabt hätte. Meine Empfehlung für die kommenden Weihnachtskonzerte: eine Vorband reicht - mehr NEW MODEL ARMY!

Justin Sullivan
photo: © jazzandrock.com / Peter Szymanski


Datum: 17.11.2016
Ort: Köln
Location: Palladium
Spieldauer: ca. 110 min.

Setlist:
01. Burn The Castle
02. White Light
03. Winter
04. Part The Waters
05. Drifts
06. Fate
07. Devil
08. Angry Planet
09. Born Feral
10. No Rest
11. Autumn
12. Stormclouds
13. 51st State
14. Between Dog And Wolf
15. Bad Old World
16. Wonderful Way To Go
Zugabe I:
17. Family
18. Poison Street
19. Get Me Out
Zugabe II:
20. High
21. Purity
22. I Love The World