Montag, 30. Januar 2017

Anker vor Australien - Patrick O'Brian

Rezension zu 'Anker vor Australien' von Patrick O'Brian



Erscheinungsjahr: 2003 (Original: 1991)
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 478
Verlag: Ullstein
ISBN-13: 978-3-548-25730-5
Preis: 8,95 €


KURZBESCHREIBUNG: 
Durch ein Riff gestoppt und einen Taifun der Fregatte 'Diane' beraubt stranden auf einer kleinen Insel in der südchinesischen See. Und es kommt für Kapitän Jack Aubrey und seine Crew noch schlimmer. Sie werden von einer Dayak-Piraten-Truppe unter der Führung der wagemutigen Kesegaran angegriffen und müssen sich unter herben Verlusten ihrer Haut erwehren. Mit etwas Glück gelangen die Überlebenden schließlich doch noch nach Batavia. Und dieses Glück bleibt Lucky Jack auch hier holt, bekommt er mit der sich gerade in der Restauration befindlichen 'Nutmeg Of Consolation' ein neues Kommando. Schnell unterstützt er die Fertigstellung mit seinem Geld und seinen Männern, um zwei Zielen nachzugehen: zum einen die Jagd auf die 'Cornélie', welche sich mittlerweile auch aus dem Hafen Pulo Prabang gemacht hat. Zum anderen möchte er endlich auf seine geliebte 'Surprise' stoßen, die mittlerweile Doktor Stephen Maturins einziges großes Hab und Gut darstellt, da seine Bank Inkasso gemeldet haben soll. Bis dahin sind aber viele Meilen im südchinesischen Meer zu überwinden - und jede Meile bietet Gefahren auf!

KOMMENTAR:
Nach dem recht politisch-strategischen dreizehnten Band der Serie um Jack Aubrey und Dr. Maturin ist der Nachfolge-Roman 'Anker vor Australien' aus dem Jahr 1991 um einiges mehr ein Abenteuer-Roman. Piraten-Angriffe und waghalsige Überfahrten sind in der ersten Hälfte des Bandes als Schlagzeilen zu nennen. Darauf folgt sogar eine spannende Schiffsverfolgung - denn Aubrey ist immer auf eine einträchtige Prise aus. Das letzte Drittel kann man allerdings getrost als Abenteuer-Erzählung ablegen, wird es doch von den Eindrücken des damaligen Australiens bestimmt. Sehr beeindruckend und in einer bedrückenden Weise beschreibt Autor Patrick O'Brian die einstigen Verhältnisse im neunzehnten Jahrhundert betitelten New South Wales; was den Briten ja als reine Strafkolonie dienen sollte. Hier zeigt sich mal wieder: den besten Stoff für Romane bietet die Geschichte der Menschheit - und das in allen Variationen! Dazu sind Maturins biologischen Erfahrungen wertvolle Einträge, die das Bild für diesen Roman abrunden, der mit kleinen Anekdoten zu den bekannten Charakteren den nötigen Pfeffer herbeibringen, um den Leser bei der Serien-Stange zu halten. Auch 'Anker vor Australien' ist ein gelungener Roman aus der Reihe um Aubrey und Maturin, der allerdings den maritimen Kern ein wenig in den Hintergrund drängt...
7,7 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- vierzehntes Buch um Jack Aubrey und Stephen Maturin
- Erklärung der seemännischen Fachausdrücke  (u.a. anhand einer Zeichnung der HMS Victory)
- zwei Karten der Reiserouten von Surprise, Cornelie und Nutmeg
- es wird bekannt, dass Diana Villiers eine Tochter zur Welt brachte
- erster Auftritt von Emily und Sweeting, zwei Waisenmädchen, welche die 'Suprises' auf Sweeting Island aufnehmen, da der komplette Stamm von einer Krankheit dahingerafft wurde