Sonntag, 7. Mai 2017

THE JESUS AND MARY CHAIN - 25.04.2017, Köln



Mir brummt jetzt noch der Schädel und piepen die Ohren – nein, nicht vom Alkohol; THE JESUS AND MARY CHAIN waren vor Ort. Überraschend tauchte die britische Band um die Brüder Jim und William Reid Anfang des Jahres mit einem nagelneuen Album namens 'Damage And Joy' auf und starteten alsbald die gleichnamige Europa-Tour. So gastierten sie am 25. April in der 'Live Music Hall' in Köln. Als Support hatte sich die Band ein heimisches Talent herausgepickt und so betrat zeitig um 20 Uhr die Combo um Sängerin wie Gitarristin LAURA CARBONE die Bühne, um ihren Indie-Rock in einer halben Stunde dem schon sehr zahlreich erschienenen Publikum zu präsentieren. Die ehemalige Sängerin der Elektro-Pop-Punk Band DEINE JUGEND wagt Solo nun englischsprachige Texte in leicht wavig-rockigem Gewand. Und ich muss nun rückblickend eingestehen, dass die Songs wie Blue Birds Fly oder Heavy Heavy doch tatsächlich mit der legendären P.J. HARVEY zu vergleichen sind, was ich zuvor doch angezweifelt hatte. LAURA CARBONE begeisterte so auch die Zuschauer und ich glaube, dass der Song Grace, mit dem sich die sympathische Frontfrau samt Band verabschiedete, nicht der letzte sein wird, den ich von ihr hören werde!

LAURA CARBONE
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

Dann war es aber an der Zeit für eine Legende in Sachen Noise/Surf-Rock: THE JESUS AND MARY CHAIN betraten die Bühne und zeigten mit dem knackigen Song Amputation direkt, dass erstens ihr neues Album 'Damage And Joy' das hohe Level der mittlerweile kultigen Alben wie 'Psychocandy' oder 'Automatic' mitgehen kann und zweitens, dass sie 'On Stage' immer noch sehr laut sein können. Man muss allerdings bei nachfolgenden Tracks wie Head On oder Between Planets sagen, dass der Sound nicht gerade optimal abgestimmt war und man die vielen Rückkopplungen nicht eindeutig sauber herauszuhören waren. Auch der Gesang schien in meinen Augen ein wenig schwach auf der Brust. Kombiniert mit einem Bühnenbild, dass aufgrund von Nebelschwaden und permanenter rot – lila – blau Beleuchtung nicht wirklich vorhanden war, sprang irgendwie auch nicht so richtig der berühmte Funke von dem sehr bewegungsarmen Quintett zu der sehr vollen 'Live Music Hall' herüber. Trotzdem war es schon wunderbar, jahrelang vertraute Lieder wie Half Way To Crazy oder April Skies erleben zu dürfen. Sehr wohltuend und abwechslungsreich war das Duett mit Bernadette Denning in dem neuen Song Always Sad

THE JESUS AND MARY CHAIN
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com

Zwar hat die Band über die Jahre hinweg einen gewissen Kultstatus aufgebaut, jedoch menschlich wirkten sie bei Cherry Came Too, welches sie glatt neu starten mussten, weil Gesang und Sound nicht übereinstimmten. Die Jungs um die Gebrüder Reid nahmen es mit Humor und wirkten anschließend musikalisch noch derber. Eine gute Stunde dauerte ihr Set aus fünfzehn Stücken, welches eine gesunde Mischung aus Jung und Alt darstellte, bevor mit Nine Million Rainy Days eine Zugabe Marke Klassiker vorgetragen wurde. Taste Of Cindy und natürlich Just Like Honey durften dabei nicht fehlen. Bevor nach neunzig Minuten endgültig der Vorhang fiel, haute die Band als finale Zugabe noch eine wirklich aggressive Version von I Hate Rock’n’Roll raus. THE JESUS AND MARY CHAIN sind definitiv und leibhaftig zurück – und der Abend in Köln bewies, dass es auch gut so ist!

Jim Reid
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com

Diesen Konzertbericht ermöglichten:
Monkeypress (dort gibt es den Bericht mit viel bessere Fotos von Michael Gamon)
und Prime Entertainment ...

Vielen Dank, ihr Lieben!

Datum: 25.04.2017
Ort: Köln
Location: Live Music Hall
Spieldauer: ca. 90 min.

Setlist:
01. Amputation
02. April Skies
03. Head On
04. Far Gone And Out
05. Between Planets
06. Blues From A Gun
07. Always Sad
08. Mood Rider
09. Teenage Lust
10. Cherry Came Too
11. The Hardest Walk
12. All Things Pass
13. Some Candy Talking
14. Half Way To Crazy
15. Reverence
Zugabe I:
16. Nine Million Rainy Days
17. Just Like Honey
18. You Trip Me Up
19. The Living End
20. Taste Of Cindy
21. War On Peace
Zugabe II:
22. I hate Rock'n'Roll