Dienstag, 3. Oktober 2017

Das Erwachen des Feuers - Anthony Ryan

Rezension zu 'Das Erwachen des Feuers' von Anthony Ryan



Erscheinungsjahr: 2017 (Original: 2016)
Format: gebundene Ausgabe
Seitenanzahl: 725
Verlag: Klett-Cotta
ISBN-13: 978-3-608-94974-2
Preis: 25,00 €


KURZBESCHREIBUNG: 
Als sich mehr und mehr herausstellt, dass das Blut von gezüchteten Drache qualitativ schlechter wird und sich freilebende Feuerspucker kaum noch als fangbar erweisen, besinnt sich das Eisenboot-Syndikat der Legende um den weißen Drachen. Mit dessen Blut sollen Blutgesegnete ihre Fähigkeiten um ein Vielfaches steigern. Das sehr rationell denkende Syndikat unter der Projektleitung von Lodima Bondersil macht dies jedoch nicht nur aus reiner Verzweiflung; der Grund ist der Fund von raren corvantinischen Artefakte, die plötzlich auftauchen und ebenso alt wie hoch-technologisch zu sein scheinen. So wird die ehemalige Akademie-Absolventin Lizanne Lethridge dazu auserwählt, sich im Inneren des Kontinents Arradsia auf der Suche nach dem Ei des weißen Drachen zu machen, eine Suche, die zuletzt mit der Wittler-Expedition scheiterte und bei der die Eisenboot-Syndikat Mitarbeiterin Ethelynne Drystone zuletzt mysteriöse Hinweise versandte und dann wie alle Expeditionsteilnehmer als verschollen galt. Um sich gegen die Agenten der verfeindeten Länder wie das corvantinische Kaiserreich zu schützen, benötigen die Eisenbootler noch einen unregistrierten Blutgesegneten. Diesen scheint Lizanne in dem freilebenden Tagedieb Claydon Torcreek gefunden zu haben. Mehr unter Zwang nimmt dieser den Auftrag an der Seite seines einflussreichen Onkels Braddon an und macht sich auf den Weg zu den Roten Sande, aus der es die letzten Informationen der Wittler-Expedition gab. Niemand ahnt bei dem aktuell aggressiven Verhalten der Drachen  nicht, dass sich Arradsia im Umschwung befindet. Auch nicht Corrick Hilemore, der als frischgebackener Leutnant auf den Kreuzer 'Gute Gelegenheit' abberufen wird, um die Stadt Kerberhafen vor Piraten zu schützen. Und er ahnt nicht mal, dass das corvantinische Kaiserreich zum Krieg rüstet, um Arradsia endgültig einzunehmen!

KOMMENTAR:
Mit dem Roman 'Das Erwachen des Feuers' hat der Autor Anthony Ryan überraschend schnell nach seiner fulminanten High-Fantasy Trilogie der 'Rabenschatten' ein neues Projekt auf den Markt gebracht. Mit diesem ersten Roman aus der dreiteiligen Reihe mit dem Titel 'Dragonis Memoria' überrascht er des weiteren mit einer komplett neuen Welt. In dieser dreht es sich auf allen Kontinenten nur um eines: das Blut von Drachen. Somit wird der Leser ein weiteres Mal in eine phantastische Welt gesteckt, die jedoch kein simpler Abklatsch seiner 'Rabenschatten'-Trilogie, sondern komplett eigenständig ist. Eine an das 18. Jahrhundert erinnernde Hierarchie erwartet den Leser, welche zwar komplexe Verknüpfungen durch jede Menge geschichtliche Ereignisse aufwartet, jedoch sehr plausibel dem schmöker-freudigen Käufer näher gebracht werden. Die Ländereien wie Mandinorien oder Arradsia erinnern ein wenig an das vorletzte Jahrhundert unserer realen Welt, haben jedoch jeder seine charakteristischen Eigenschaften, wobei Arradsia wie ein unerforschtes Afrika anmutet. Den stark phantastischen Einschlag bieten natürlich die Drachen in dieser Welt, welche zwar gefürchtet, aber auch ihres sehr wertvollen Blutes wegen gejagt werden. Und die Eigenschaften, welche mit dem Lebenssaft erreicht werden, sind noch phantastischer. Hier geht es in Richtung Superhelden-Liga. Der große Clou ist allerdings, dass Ryan hier sehr viele Genre vermischt. In diesen ersten Teil hat er eine starke Prise Steam-Punk beigefügt und der Handlungsfaden um Corrick Hilemore ist ein wirklich maritimes Vergnügen. Beim Lesen von 'Das Erwachen des Feuers' findet man sich außerdem stellenweise in einem Agenten-Thriller wieder und die Reise ins Innere des Kontinents Arradsia von dem Protagonisten Claydon Torcreek erinnert stark an einen Abenteuer-Roman á la Indiana Jones. Also von Langeweile jeglicher Art kann bei diesem bunten Spektrum absolut keine Rede sein! Es ist eigentlich schon fast zuviel des Guten, besonders die Schlacht um Kerberhafen zieht sich über viele Seiten des über 700 Seiten starken Werkes. Punktabzüge gab es von mir noch, da der Prolog (wohl unbeabsichtigt) im Laufe des Romans etwas suggeriert, was jedoch nicht sein kann. Es kam mir immer der Verdacht auf, dass Clay das verschollene Kind sei, was mit seiner Mutter in den Trog mit Drachenblut sprang - unmöglich, da er kurz daraufhin als junger Mann die Szenerie betritt. Die ist allerdings ein klitzekleiner Kritikpunkt, dazu eher persönlich. Einigen Lesern mögen etliche Stellen auch etwas zu hart herüberkommen - Ryan geizt nun nicht mit dem Opfern von Charakteren und Statisten. Teilweise aber auch sehr einfühlsam; ich musste bei dem Ableben einer feinen, um Spoileralarm zu verhindern, nicht näher benannten Figur, die Tränendrüsen konzentriert zähmen, um nicht loszuflennen. 'Das Erwachen des Feuers' ist ein sehr gelungener Auftakt, der den bisherigen Werken des Autors in nichts nachsteht! Gespannt darf man dem zweiten Teil der 'Dragonis Memoria' entgegenfiebern...
9,2 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- erster Roman der Dragonis Memoria-Trilogie
- Anhang: Dramatis Personae
- Karte des arradsianischen Kontinents sowie aller Kontinentalmassen der Welt
- Danksagung des Autors