Montag, 18. Juni 2018

New Waves Day II - 26.05.2018, Oberhausen


Nach dem Erfolg der letztjährigen New Waves Day, welcher mit seinem Konzept die gefragten Bands der Achtziger und Neunziger zu einem Paket zu schnüren, genau die Bedürfnisse der Fans getroffen zu haben schien, war es schnell klar, dass es auch in 2018 einen New Waves Day geben wird. Dieser wurde am 26.05. in der selben Lokalität des Vorjahres abgehalten; der Turbinenhalle in Oberhausen. Und die Macher des Events hatten wieder ein feines Bündel geschnürt und mit HOLYGRAM einen spannenden Neuling, einen Wiederholungstäter mit THE CHAMELEONS VOX und als Headliner mit FIELDS OF THE NEPHILIM eine der markantesten Bands der Achtziger ein feines Händchen bewiesen. Doch der Reihe nach…

Mit HOLYGRAM wurde der wohl derzeit am meisten be- wie geachtetste Jungspund in der schwarzen Szene engagiert. Deren selbstbetitelte E.P. schoss regelrecht durch die Decke und so war es keine Überraschung, dass die 'Turbinenhalle' auch am frühen Nachmittag schon sehr gut gefüllt war. Und es lohnte die zeitige Anreise. HOLYGRAM füllten ihre halbe Stunde exquisit mit wunderbaren Songs wie Hideaway oder Still There. Ich habe die Band nun schon einige Mal auf Live sehen dürfen und muss sagen, dass sie auf der Bühne sehr gereift sind. Mit einem sehr nachhaltigem She’s Like The Sun verabschiedeten sich die Rheinländer fast schon viel zu früh und zeigten echt auf, dass sie auf dem Level der alten Hasen, die da nun noch kommen mochten, mitspielen können!

HOLYGRAM
(photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com)


Themenwechsel – als zweite Band des diesjährigen New Waves Day trat DER FLUCH auf die Bühne – das Quartett ist ein äußerst lebendiges Nebenprojekt der Punkband OHL, wobei DER FLUCH hauptsächlich textlich in düstere Gefilde abdriftet. Das wird auch mit Liedern wie Herr der Fliegen oder Die Nacht der Toten niemand abstreiten können. Musikalisch hingegen gab es ein rotziges Brett Punkrock. Bis auf Drummer Kalashnikov mit Sonnenbrillen bestückt nutzten die vier schwarz-gekleideten Burschen ihre halbe Stunde gnadenlos aus und gaben vieles an Energie herüber. Den eh schon seit dem Opener Ich bin der Fluch hin und her tigernde Sänger Deutscher W hielt es dann beim abschließenden Halb Mensch Halb Tier auch nicht mehr auf der Bühne und preschte durch das zahlreiche und begeisterte Publikum. Es bleibt stetig zu sagen: Punks Not Dead … und DER FLUCH auch noch lange nicht!

DER FLUCH
(photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com)


Der europäischen Gothic-Szene wird wohl die niederländische Band CLAN OF XYMOX als eine der beständigsten Erscheinung geläufig sein. Die Gruppe um Sänger und Gitarrist Ronny Moorings, welche sich über die letzten Jahre gewohnt als Quintett ohne Drums präsentierte, bezauberte auch direkt nach dem Intro, in welchem sich Ronny geehrt äußerte, an diesem Tag auf der Bühne zu sein, mit Songs wie Obsession oder einem der Klassiker Louise. Der Sänger vermutete schon, dass die meisten Fans wohl lieber etwas reifere Songs von CLAN OF XYMOX hören mochten. So gab es auch liebevoll dargebotene Songs wie Jasmine And Rose und natürlich der Alltime-Favorite A Day. Ich persönlich fand die nahezu durchweg eher dunkle Beleuchtung an diesem Tage bei den Niederländern übrigens am besten inszeniert. Die Elektro-Gothic-Rocker ließen es sich nicht nehmen, mit Your Kiss einen aktuellen Titel als Abschluss zu spielen und bewiesen damit, dass der Sound der Band zeitlos ist und wirklich auf dieses Tages-Festival gehörte wie eine schwarze Rose auf das Grab.

CLAN OF XYMOX
(photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com)


TRISOMIE 21 - der Name war schon in den Achtzigern ziemlich abschreckend und hinterlässt bestimmt nicht nur bei mir immer noch ein Schaudern – die Musik hingegen ist wirklich wunderbar zeitloser Elektro-Wave, den die drei Akteure dann auch mit Gesang, Bass und Gitarre auf die Bühne der 'Turbinenhalle' zauberten; unterstützt von einem Pult mit Synthies und Notebooks. Und wenn man den hymnen-artigen Liedern wie Glistering Like God, The Camp oder auch dem instrumental-minimalistischen La Fete Triste lauschte, war den Zuschauern schnell klar, dass TRISOMIE 21 eigentlich auf jeder Szene-Party oder in den jeweiligen Tanzschuppen immer zugegen sind. Manchmal einfach unterbewertet, zeigte das Trio in Oberhausen, dass sie auch eine anschauungswürdige Live-Band sind und darauf hatten sich nicht wenige angereiste Fans gefreut. So wurden die Tracks innerhalb der vierzig Minuten bis hin zu dem aufregenden The Last Song abgefeiert. Beeindruckender Auftritt der Franzosen, den man nicht verpasst haben sollte!


Mit THE YOUNG GODS kam nun erneut ein Trio auf die Bühne, welches zwar keine französischen Wurzeln hatten und eigentlich aus Freiburg stammen, doch da Sänger Franz Treichler in Lausanne seine Liebe zur Musik entdeckte, schlug sich das auf die Band nieder. Somit hatte der sehr stark industriale Sound von THE YOUNG GODS besonders bei unseren Landes-Nachbarn großen Erfolg. Aber auch in Deutschland gibt es immer noch eine starke Fan-Base und somit war die 'Turbinenhalle' bei den ersten Tönen des faszinierenden Openers La Fille De La Mort schon wieder kräftig gefüllt. Nicht zu Unrecht besitzt das Trio und ihre Musik Kultstatus, was sie mit Liedern wie dem wuchtigen Skinflowers oder dem stakkato-artigen Schlagzeug-Angriff von Envoye deutlich aufzeigten und die Menge in der mittlerweile recht warmen Halle begeisterten. Und das muss man erstmal mit nur Drums, Keyboards und einem Sänger hinbekommen. Ob nun das düstere L’eau Rouge oder dem klassisch für das Soundgebilde der Band mit massig Samples unterlegtem Kissing The Sun – die dreiviertel Stunde von THE YOUNG GODS wird allen Anwesenden in langer Erinnerung bleiben.


Dass es auf dem erst zweiten New Waves Day schon einen Wiederholungstäter gab, hatten bestimmt nicht viele vermutet – wenn auch aufgrund der Qualität der ersten Auflage gegebenenfalls erhofft. Die Wahl fiel auf CHAMELEONS VOX, welche dem Ruf auch sehr gerne gefolgt waren. Und ich denke, dass dies ein guter Griff war. Mit jede Menge Spielfreude und einer etwas gewandelten Setlist bewiesen die Jungs aus Manchester, das sie in Sachen Wave-Rock auf der Bühne schlicht die Referenzklasse darstellen. Beginnend bei dem flotten A Person Isn’t Safe Anywhere These Days zogen die Mannen um Mastermind Mark Burgess alle Register und präsentierten mit Liedern wie der Hymne Monkeyland, dem rockigen Perfume Garden oder dem einfühlsamen Less Than Human einen Klassiker nach dem anderen. Unglaublich spielfreudig und fordernd ging das Quartett auf der Bühne zu Werke und spätestens als die Halle bei Second Skin lauthals mitsang, war allen Beteiligten klar: CHAMELEONS VOX kann eigentlich auch jedes Jahr auf dem New Waves Day auftreten. Mit einem eher selten gespielten Nostalgia verabschiedeten sich die Briten nach einer Stunde, die sich wie gerade eine halbe angefühlt hatte. Mehr davon…

THE CHAMELEONS VOX
(photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com)


Die wirklich alten Herren des Abends in Oberhausen waren wohl die ehemaligen britischen Punkrocker THE DAMNED gewesen. Das sollte aber bei weitem nichts heißen, von Alterserscheinungen jeglicher Art keine Spur. Mit Elan ging das Quintett startend mit Streets Of Dreams zur Sache und jagten regelrecht durch die siebzig Minuten, die ihnen zu Verfügung standen. Ob nun die Smasher Standing On The Edge Of Tomorrow, I Just Can’t Be Happy Today oder der überzeugenden Coverversion von Barry Ryans Eloise, jeder Song war einem Highlight des Auftritts von THE DAMNED nahe. Ich denke, jeder wird hier bei der voluminösen Trackauswahl seinen Favoriten ausgemacht haben, ich möchte hier Dr. Jeckyll And Mr. Hyde nennen; seit Jahrzehnten mein Lieblingssong der Band – trotz vieler toller Juwelen. Die Herren mochten selber auch irgendwie kein Ende finden und legten nach dem flotten Neat Neat Neat noch ein kräftiges Smash It Up hinterher. Alte Herren – diese Worte finden durch THE DAMNED eine neue Bedeutung, die sich bestimmt viele männliche Zuschauer zu Herzen genommen haben.


Ich könnte jetzt wahnsinnig ausholen und erläutern, wie wichtig doch THE FIELDS OF THE NEPHILIM für die gesamte Gothic-Rock-Szene gewesen war. Das lasse ich nun aber, sondern zeige lieber auf, wie wichtig sie eigentlich noch sind. Ich bin mir schon ziemlich sicher, dass sich niemand, der nach Oberhausen angereist war, diese Ausnahmeerscheinung an Band entgehen lassen wollte! Und so konnte man sich direkt um mindestens fünfundzwanzig Jahre zurückversetzt fühlen, als der dichte Nebel aufkam und das Quintett auf der Bühne Platz nahm. Damit begann die Reise von THE FIELDS OF THE NEPHILIM. Dead But Dreaming läutete eine Aufreihung von Highlights des Gothic Rock aus, die Sänger Carl McCoy mit seinen Musikern irgendwo in dem Nebel und dem grünen Licht, was gelegentlich in Dunkelblau, Lila oder Rot variierte, sehr beeindruckend vortrug. Ob nun Love Under Will oder das wohl bekannteste Stück Moonchild; die Meute vor der Bühne war gefangen von der Performance. Selbst das junge und metallische Werk Prophecy überzeugte in der Darbietung, welche mit einer Zugabe von dem wohl von allen erwarteten Last Exit For The Lost nicht nur ein faszinierendes Konzert sondern einen wunderbaren Tag beendete. Hail To THE FIELDS OF THE NEPHILIM!

THE FIELDS OF THE NEPHILIM
(photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com)


So ganz zu Ende war der Abend jedoch nicht; mit DJ Tuxedomoon, DJ Georg und DJ Zöller waren gleich drei Jockey-Inkarnationen am Werk, um die Gemeinde auf der After-Show-Party noch bis in die tiefe Nacht zappeln zu lassen. Viele werden sich aber erstmal den Getränke- und Essenständen zugewandt haben, denn durch das straffe Programm des Tages wurde es womöglich vielermaßen versäumt. Das wäre das einzige Manko des Festivals – ein Luxusproblem bei so einer hohen Qualität an Bands. Da musste Essen und Trinken sowie gepflegte Konversation mit den vielen wunderbaren Menschen, welche die Turbinenhalle besucht hatten, auch mal beiseitegeschoben werden, wenn man nicht verzichten wollte. Empfehlenswert war ein gesunder Mix! Denn wer weiß, welche Band im nächsten Jahr wieder auf den New Waves Day zurückkommt. Dass es eine dritte Auflage gibt, ist hoffentlich wohl selbstverständlich und ausdrücklich zu bejahen!

Diesen Konzertbericht ermöglichten:
Monkeypress und Headline Concerts ...
Vielen Dank, ihr Lieben!

Datum: 26.05.2018
Ort: Oberhausen
Location: Turbinenhalle
Spieldauer: Holygram 30 min. / Der Fluch 30min. / Clan Of Xymox 40min. / Trisomie 21 40min. / The Young Gods 45min. / The Chameleons Vox 50min. / The Damned 70min. / The Fields Of The Nephilim 70min.

Setlist HOLYGRAM:
01. Hideaway
02. Daria
03. Signals
04. Still There
05. Distant Light
06. She’s Like The Sun


Setlist DER FLUCH:
01. Ich bin der Fluch
02. Hexen leben länger
03. Betet für uns
04. Fürsten der Nacht
05. Herr der Fliegen
06. Das Grauen geht um heut Nacht
07. Die Nacht der Toten
08. Rattengift
09. Halb Mensch Halb Tier

Setlist CLAN OF XYMOX:
01. Intro
02. Obsession
03. Louise
04. Loneliness
05. Emily
06. Jasmine And Rose
07. A Day
08. Your Kiss

Setlist TRISOMIE 21:
01. Where Men Sit
02. Waiting For
03. The Camp
04. Hear Me Now
05. Glistering Like God
06. Le Fete Triste
07. Tender Now
08. The Last Song

Setlist THE YOUNG GODS:
01. La Fille De La Mort
02. The Irrtum Boys
03. Skinflowers
04. Criez Les Chiens
05. L’eau Rouge
06. Envoyé
07. The Night Dance
08. Kissing The Sun
09. L‘amourir

Setlist CHAMELEONS VOX:
01. A Person Isn’t Safe Anywhere These Days
02. Monkeyland
03. Perfume Garden
04. Less Than Human
05. Swamp Thing
06. Soul In Isolation
07. Second Skin
08. Singing Rule Britannia
09. Nostalgia

Setlist THE DAMNED:
01. Street Of Dreams
02. Wait For The Blackout
03. Plan 9 Channel 7
04. Standing On The Edge Of Tomorrow
05. Love Song
06. Machine Gun Etiquette
07. I Just Can’t Be Happy Today
08. New Rose
09. Eloise
10. Dr. Jekyll And Mr. Hyde
11. Ignite
12. The History Of The World (Part 1)

13. Neat Neat Neat
Zugabe:
14. Smash It Up

Setlist FIELDS OF THE NEPHILIM:
01. Dead But Dreaming
02. Dawnrazor
03. Endemoniada
04. Love Under Will
05. Moonchild
06. Prophecy
07. At The Gates Of Silent Memory
08. Psychonaut
09. Mourning Sun

Zugabe:
10. Last Exit For The Lost