Nachdem die SEX PISTOLS in Sänger Frank Carter jemanden gefunden haben, der den zerstrittenen Johnny Rotten wirklich sehr gut ersetzen kann, sind sie nun doch wieder öfters auf den Bühnen dieser Welt zu sehen. Eine ausgiebige Tour führte die Pioniere des Punk-Rock auch nach Köln. Es war als Open Air an der Südbrücke - einer wunderbaren Location - angedacht, doch letzten Endes in das E-Werk verschoben worden. Das tat der Sache aber keinen Abbruch, hatten die Briten mit THE DAMNED die zweite Pionier-Band des Punk-Rock im Gepäck. Außerdem wurde noch eine deutsche Kult-Punk-Rock Band engagiert; niemand anderes als SLIME eröffnete das Geschehen auf der Bühne!
Unter einem riesigen Banner mit dem Bandnamen trat das Quintett auch zeitig auf der in knalligem rot beleuchteten Bühne auf und jagte mit Komm schon klar und Armes Deutschland direkt die Opener der letzten beiden Alben aufs Publikum. SLIME hat sich mit der Aufnahme von Sänger Tex Brasket ziemlich wiederbelebt; die beiden Alben mit Tex am Mikro werden in der Szene äußerst geschätzt. Neben weiteren Tracks wie Monster oder Evolution aus dem aktuellen Album '3!+7hoch1' gab es Knaller wie Sie wollen wieder schießen (dürfen). Die gesamte Truppe; also Elf und Christian Mevs an den Gitarren, Nici am Bass und Alex Schwers an den Drums zeigte große Spielfreude, gaben aber auch aufgrund der geringen Spielzeit mächtig Gas. In dieser dreiviertel Stunde konnte die Band gewiss auch etliche der aus den Nachbarländern angereisten Fans überzeugen - selbst wenn sie nicht der deutschen Sprache mächtig waren. Der Klassiker Religion beendete dann den eindrucksvollen Auftritt von SLIME, die beweisen, dass sie auf der Bühne immer noch mitreißen können und noch lange nicht in die Rente brauchen...
Der zweite Support war in Sachen Punk-Rock neben den SEX PISTOLS ebenfalls eine der Pionier-Bands: THE DAMNED. Diese hatten sogar als erstes eine Single wie ein Album auf dem Markt gebracht und haben sich so in die Geschichtsbücher der Musik verewigt. Mich hatte diese Bekanntgabe als Support sehr gefreut, war deren geplanter Auftritt im Winter quasi doppelt ausgefallen – am Tag des angedachten Konzertes war unsere Region durch Eisregen komplett eingebremst und die Band sagte gegen Mittag aus gesundheitlichen Gründen das Konzert ab. Eine Grippe macht auch vor Bandmitgliedern nicht halt. Mit einem energischen Love Song starteten Dave Vanian am Micro, Captain Sensible an der Gitarre, Rat Scabies an den Drums, Paul Gray am Bass und Monty Oxymoron am Keyboard ihr Set, was wirklich zu begeistern wusste. Der ewig schick gekleidete Dave trug Songs wie Stranger On The Town oder Disco Man gewohnt elegant und mitreißend vor. In Gedenken an den verstorbenen Gitarristen Brian James wurde vom aktuellen Album - einem Tribut an das ehemalige Mitglied - der Song Making Time zum Besten gegeben. Im 50. Geburtsjahr des Punk Rock war der Fokus des Quintetts klar auf die ersten Scheiben gerichtet. Neat Neat Neat und ihre allererste Single New Rose hauten richtig von den Socken. Natürlich durften auch die beiden Teile von Smash It Up nicht fehlen. Das abschließende THE STOOGES Cover I Feel Alright machte den gut einstündigen Auftritt der Herren richtig rund - es war nun tatsächlich die Frage, ob da die SEX PISTOLS mit THE DAMNED mithalten konnte...
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com
Ein symphonisches God Save The Queen als Intro ließ dann die Original-Mitglieder Glen Matlock am Bass, Steve Jones an der Gitarre und Drummer Paul Cook samt dem neuen Frontmann Frank Carter auf die Bühne steigen. Mit dem Knaller Holidays In The Sun stieg das Quartett in die Setlist ein und es zeigte sich schnell, warum Frank als Frontmann genau der richtige ist: er verkörpert energische Spritzigkeit und bringt die Songs gesanglich nahezu perfekt rüber. Der Sänger führte durch das Programm und pushte das Publikum regelrecht zum Mitsingen und Abtanzen; oder besser Abpogen. Da nun mit einem Studioalbum die Fülle an Songs bei den SEX PISTOLS nicht gegeben war, fand ich es aufregend, dass einige Lieder etwas verlängert wurden. Indes fing Frank seine eigene Spuke oder tobte in seinem MOTORHEAD Muskelshirt über die Bühne. Damit das Publikum auch ja nicht einschlief, ging er für Pretty Vacant in die Menge und erzeugte einen heftigen Moshpit. Beim darauffolgenden Bodies ließ Frank sich dann noch laut singend vom den Fans tragen.
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Die drei Originale blieben indessen recht gelassen und spielten ihr Set herunter. Allerdings war die Spielfreude auszumachen. Ob nun God Save The Queen oder Problems - das Trio gab musikalisch alles. Bei einem langgezogenen No Fun huldigte Frank nochmal die einzelnen Musiker und erlaubte sich eine Ehre auszusprechen; mit diesen wegweisenden Charakteren Konzerte geben zu dürfen. Das Paul Anka-Cover My Way, welches der zweite Bassist Sid Vicious damals aufnahm und auf das schräge Compilation-Album 'The Great Rock'n'Roll Swindle' wanderte, wurde in einer sehr intensiven Version vorgetragen - Frank Carter gab nochmal alles. Es gab zwar keine wirkliche Zugabe; aber das abschließende Anarchy In The U.K. konnte man als solche sehen. Es war wirklich etwas besonderes im im 50. Jubiläumsjahr die SEX PISTOLS und THE DAMNED sehen zu dürfen. Und die Hoffnung bleibt, dass die beiden Pionier-Bands des Punk-Rock uns noch einige Jahre erhalten bleiben...
Datum: 05.07.2026
Ort: Köln
Location: E-Werk
Spieldauer: ca. 65 min.
Setlist:
01. Holidays In The Sun
02. Seventeen
03. New York
04. Pretty Vacant
05. Bodies
04. Pretty Vacant
05. Bodies
06. I'm Not Your Stepping Stone
07. Liar
08. God Save The Queen
07. Liar
08. God Save The Queen
09. No Fun
10. No Feelings
11. Problems
12. EMI
13. My Way
14. Anarchy In The U.K.





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