Sonntag, 5. Juli 2026

PUBLIC IMAGE LIMITED - Köln, 08.06.2026


Vor 50 Jahren waren es die SEX PISTOLS, die musikalisch ganz Europa terrorisierten und den Punk-Rock etablierten. Sehr kurzlebig war die Band jedoch, aber Johnny Rotten alias Lydon machte mit seinem Projekt PUBLIC IMAGE LIMITED weiter Musik. Und damit ist er auch heutzutage noch in die Gänge. Eine Europa-Tour mit dem verheißungsvollen Titel 'This Is Not The Last Tour' stand an, die den ehemaligen Sänger der SEX PISTOLS auch nach Deutschland brachte - und ich als Geschenk eine Karte für den Gig in Köln erhielt. Das kann man ja gar nicht ablehnen. So ging es in die Dom-Stadt...

Eine Vorband braucht's nicht, wird wohl die Vorstellung von Johnny Lydon sein, der mit seinem Projekt PUBLIC IMAGE LIMITED neben sich selbst die Musiker Mark Roberts am Schlagzeug, Scott Firth am Bass und Robert Edmonds an der Gitarre auf die Bühne der 'Kantine' in Köln brachte. Mit dem bekannten Home stieg das Quartett schnell in die Welt von P.I.L. ein. Mit einem beeindruckenden Irokesen-Schnitt war die Punk-Ikone in einer abgetragenen Strickjacke bekleidet, die ein wenig an ein Curt-Kobain-Look erinnerte. Als er diese später auszog, kam mit einem weißen P.I.L. Hemd samt Krawatte eine regelrechte Uniform zum Vorschein. Trotz der Songs World Destruction, Death Disco oder einer eigenwilligen Variante von This Is Not A Love Song kam der letzte Funke nicht beim Publikum an. Lydon versuchte das Publikum immer wieder zu mehr Aktivität zu animieren, doch trotz der grundsätzlich guten Stimmung war es wohl allen zu warm dafür. Der mittlerweile siebzigjährige Sänger wusste allerdings sehr mit seiner Stimme zu überzeugen. Corporate oder das tolle Warrior, welche den Post-Punk Sound bis hin zum Ambient aufzeigten, machte Good old Johnny zu tollen Darbietungen. Recht schnell ging jedoch der Gig vorbei, als die letzten Töne von Open Up verhallten.    

PUBLIC IMAGE LIMITED
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Es dauerte schon, bis sich das Quartett erneut auf die Bühne zurückbrachte. Aber da gab es noch Gin in der Flasche von Johnny und die Knallertracks Public Image sowie Rise, welches sehr schön gestreckt wurde, waren noch nicht vorgetragen worden. Leider war danach aber gefühlt viel zu früh Schluss. Es war wirklich beeindruckend diese lebende Punk-Rock Legende John Lydon leibhaftig zu sehen und da dies wohl nicht die letzte Tour war, ist eine Wiederholung wohl noch mal möglich...

John Lydon
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Datum: 08.06.2026
Ort: Köln
Location: Die Kantine
Spieldauer: ca. 95 min.

Setlist:
01. Home
02. Know Now
03. World Destruction
04. This Is Not A Love Song
05. Poptones
06. Death Disco
07. Corporate
08. Flower Of Romance
09. Warrior
10. Shoom
11. Open Up
Zugabe:
12. Public Image
13. Rise

DAS LUMPENPACK - Bevor der Mut dich verlässt

 ...neu in meinem CD-Regal....

DAS LUMPENPACK - Bevor der Mut dich verlässt



Die Erfolgsgeschichte von DAS LUMPENPACK geht nach den wunderbaren Werken ‚Wach‘ und ‘Nie wieder Wach‘ weiter. Schon seit dem letzten Jahr brachte die Band Auskopplungen zum kommenden Album auf den Markt, bis schließlich bekannt wurde, dass ‚Bevor der Mut dich verlässt‘ Mitte April 2026 erscheinen wird. Und die Combo um die Köpfe Jonas Frömming und Max Kennel mit Alexandra Eckert am Schlagzeug, Lola Schrode am Bass und Jonas Bartsch an der zweiten Gitarre haben 13 Songs aufgenommen, die man allesamt nur genial nennen kann. Mit dem Opener und Titelgeber Bevor der Mut dich verlässt steigt man direkt sehr flott und treibend in das Album. Ebenso folgt der Track Wand, der ebenso nach vorne zieht. Erst bei Diskrepanz wird es ein weniger ruhiger und der Hörer merkt sofort, wie genial DAS LUMPENPACK und so in Hauptsache Jonas und Max als ehemalige Poetry Slam Künstler ihre Texte ausbauen. Mal witzig, mal sarkastisch wie ironisch zugleich, aber auch mahnend wie warnend - die Worte der Band sind schon sehr gewandt ausgesucht. Ein richtiger Kracher ist der Track Boys, der richtig aus den Boxen knallt. Verspielt positiv kommt Kraft der Musik rüber; mit Wind gibt es eine wunderbare Ballade auf dem Album. Der Track Alles Schwarz ist einer der vielen im Vorfeld veröffentlichten Songs, der mich textlich voll abholte und mein Auslöser für die Vorbestellung war. Das Intermezzo aus Schluss mit Reden ging bei Tik Tok und Co. ja viral - Mama, warum schreit der Mann so laut ... und so weiter - , ohne dass die Kids die tolle Band dahinter kennen; ein Beweis der Oberflächlichkeit heutzutage. Mit Früher war alles besser, außer manches folgt noch ein sehr eingängiger Song, bevor mit dem starken Track Rücken an Rücken der Longplayer beendet wird. 'Bevor der Mut dich verlässt' ist ein sogenanntes No-Skip-Album und mein klarer Favorit für das Album 2026...


Erscheinungsdatum: 17.04.2026
Format: CD
Label: Roof Music
Barcode: 4251422803472

Tracklist:
  1. Bevor der Mut dich verlässt
  2. Wand
  3. Diskrepanz
  4. Boys
  5. Kraft der Musik
  6. Mach mal Platz
  7. Wind
  8. Alles Schwarz
  9. Schluss mit Reden
  10. Alleine gelassen werden
  11. Live in Manila (2007)
  12. Früher war alles besser, außer manches
  13. Rücken an Rücken
Videoclip 'Alles Schwarz'

Samstag, 4. Juli 2026

Pit Rock Open Air - Alsdorf, 30.05.2026

  


Bereits zum dritten Mal wurde das Pit Rock Open Air in Alsdorf bei Aachen ausgetragen. Ein wenig ungewiss war das Wetter, dass sich Ende Mai doch etwas launisch zeigte. Auf den Punkt genau wurde es aber im Westen von NRW ein sonniger Samstag, was dem wunderbar familiären Festival gerecht wurde. Da das Pit Rock Festival ein Tages-Event mit einer Bühne darstellt, kann ich ein wenig von allen Bands berichten; immerhin hatte man überall am Festival-Gelände des 'Energeticon', einem Bergbau-Museum, einen Blick auf die Bühne...

Das Festival wurde von dem Männergesangs-Verein DIE GIMPEL eröffnet, welche allerdings nicht die klassischen Lieder solcher Gruppierungen, sondern eher mainstream-orientiert ihren Fokus hat. In den Reihen befand sich sogar der Bürgermeister von Alsdorf sowie Jason DeVore, Sänger der folgenden Band AUTHORITY ZERO. Mit einem Medley, was Chart-Hits wie Cotton Eye Joe oder Barbie Girl beinhaltete, zeigte die gut zwei Dutzend starke Truppe, was ihr Antrieb zum Gesang ist. Extra einstudiert für das Festival wurde Basket Case von GREEN DAY - ein wahrlich passender Auftakt in den Tag...

DIE GIMPEL
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com


Schon erwähnter Sänger Jason konnte quasi auf der Bühne bleiben, da seine amerikanischen Kollegen von AUTHORITY ZERO als nächstes von der Bühne musizierten. Das Trio bewegt sich dabei irgendwo zwischen Melodic-Hardcore und Surf-Punk. Die Sonne erwärmte Band wie Fans sichtlich und Lieder wie Get It Right oder Revolution brachte sogar ein bisschen Pogo vor den Fotograben. Da die Band am selben Tag noch einen weiteren Auftritt hatte, wurden sie nach vorne gesetzt; wollten sie doch unbedingt auf dem Pit Rock spielen. Qualitativ ist das Trio aus Arizona gewiss höher anzusiedeln...

AUTHORITY ZERO
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

    Mit LOADED folgte ein weiteres Trio auf der Bühne des Pit Rock; allerdings kamen die Dame am Schlagzeug und die beiden Herren nicht aus den USA, sondern aus dem hessischen Mannheim. Ihr Punk Rock ist ein bisschen Ska beeinflusst und macht mächtig Laune. Lieder wie Spittin' Off The Bridge oder Revolutinary Symphonies treiben nach Vorne.Und so genossen es aus die Festival-Besucher, allerdings im Schutz von vorhandenen Schirmen etc., denn die Sonne brannte mittlerweile sehr massiv auf den Ort des Geschehens. LOADED zog aber durch und hinterließ glaube bei einigen Besuchern einen bleibenden Eindruck...

    LOADED
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Die aus den USA stammenden RAVAGERS hatten von dort eine kräftige Ladung American Punk Rock mitgebracht, denn der Sound des Quartetts erinnerte schon an die großen RAMONES oder IGGY AND THE STOOGES. Da die Band derzeit auf Europa-Tour war, passte der Gig beim Pit Rock bestens in die Planung. Songs vom aktuellen Album 'On The Loose' wie Right To Kill oder Public Hell gehen live sehr gut ab, wobei die Jungs sich mächtig ins Zeug legen. Apropos Legen: Bassist Sam Hariss schafft es sogar stehend zu liegen beim Bassspiel! Die Band war mein heimlicher Favorit des Festivals und bestätigte mit ihrem Auftritt das Ganze absolut!

    RAVAGERS
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Nun war MAID OF ACE angesagt. Die vier Mädels aus Hastings in England sind live immer wie ein Schlag ins Gesicht. Bei der Power der Geschwister Elliott, die unter dem Namen MAID OF ACE für immer mehr Furore in der Szene sorgen, ist man schlagartig wach. Ob nun Bone Deth oder Made In England, das weibliche Quartett gibt immer einhundert Prozent - und mehr. Bisher habe ich die Girls jeweils bei bestem Wetter erleben dürfen und sie waren nach ihrem Gig ziemlich abgekämpft – aber sehr happy. Das kann man auch bei den Mitschnitten als Support der UK Tour von GREEN DAY begutachten. Und um den Spaß geht es ja schließlich, oder?

    MAID OF ACE
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Die SEX PIEMELS sind Lokalhelden aus Aachen. Sie covern sich quer durch den Punk-Rock. Ob nun RAMONES oder THE CLASH; das Quartett kann all die Songs. Derzeit heißt es für die SEX PIEMELS Abschied nehmen und ihr Auftritt auf dem Pit Rock sollte der letzte in Alsfeld werden. Aber sie verabschiedeten sich gebührend. Nicht nur, dass sie Peter Bywaters, Sänger von PETER AND THE TEST TUBE BABIES auf die Bühne holten und mit ihm Make Punk Rock Great Again zelebrierten, es folgte noch der komplette Gesangsverein DIE GIMPEL, mit denen es auf der Bühne dann komplett eskalierte. Die Jungs von den SEX PIEMELS werden das wohl - wie auch die Fans - nicht so schnell vergessen. Und ob das wirklich das Ende der Band sein soll, wird die Zeit zeigen...

    SEX PIEMELS
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Sänger Peter war also schon warm, als im Anschluss PETER AND THE TEST TUBE BABIES auf die Bühne kamen. Voller Elan prügelten die mittlerweile reifen Briten durch ihre Setlist, welche sich etwas deftiger als gewohnt gestaltete. Natürlich waren die Knaller wie Banned From The Pubs oder The Jinx inklusive und die Fans würdigten den Sound der Band aus der Frühphase des Punkrock. Leider muss man sagen, dass man bei solchen Acts wie eben PETER AND THE TEST TUBE BABIES irgendwie ein Gefühl des Beschneiden bekommt. Es geht ziemlich schnell vorbei – allerdings war ich selig, dass der Track Spirit Of Keith Moon auf dem Programm standen. Die Band ist wirklich immer wieder sehenswert...

    PETER AND THE TEST TUBE BABIES
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Aus den Niederlanden kam die folgende Band EVIL CONDUCT, die in Oi! Punk-Kreisen einen gewissen Kultstatus besitzt und dementsprechend etliche Oi! Fans auf das Festival angezogen hatte. Lieder wie Home Sweet Home oder Working Class Heroes ließen den Moshpit richtig aufleben. Das Trio überzeugte unglaublich gut und spielte bis in die Abenddämmerung hinein. EVIL CONDUCT werde ich mir bestimmt nochmal anschauen...

    EVIL CONDUCT
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com



    Last, but not least waren dann der Headliner BUSTER SHUFFLE. Die Ska- Punkrocker schlossen den wunderbaren Tag ehrenvoll ab und auch der nun einsetzende Regen störte nicht mehr. Die Lieder Our Night Out oder Get Steady passte sogar irgendwie bestens zum Wetter. Der mittlerweile in die Menschenmenge eingetauchte Vom Ritchie, seines Zeichens Schlagzeuger von DIE TOTEN HOSEN sprang für einen Song an das Schlagzeug und machte den Auftritt des Quartetts aus London noch wertvoller. Sänger Jet Baker konnte sich gar nicht immer um seinen Job als Pianist kümmern; er schien euphorisch voller Energie zu sein. Besser konnte das Pit Rock Open Air nicht abgeschlossen werden.

    BUSTER SHUFFLE
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Die dritte Auflage war eine wirklich gelungene Auflage des Festivals und bleibt uns hoffentlich noch sehr lange erhalten. Das Programm war abwechslungsreich; die Atmosphäre fast familiär und vollkommen friedlich. Vielen Dank an die Veranstalter für den wunderbaren Tag!


    Datum: 30.05.2026
    Ort: Alsdorf
    Location: Energeticon


    Running Order:
    15:00 Die Gimpel
    15:30 Authority Zero
    16:15 Loaded
    17:00 Ravages
    18:00 Maid Of Ace
    19:00 Sex Piemels
    20:00 Peter And The Test Tube Babies
    21:15 Evil Conduct
    22:30 Buster Shuffle

    Sonntag, 24. Mai 2026

    ENTSTAUBT ... im April ...

      ...Die 'ENTSTAUBT'-Rubrik ist ein Tribut an Alben, 
    die mindestens zwanzig Jahre auf dem Buckel haben...


    PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB - Hispanola



    Ich glaube, der größte Star der Indie-Szene Ende der Achtziger - Anfang der Neunziger war eindeutig PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB. Waren die ersten Alben noch ziemlich Punk-Rock orientiert und dementsprechend rau, wurden die Tracks mehr und mehr eingängig. Im Jahr 1990 kam dann mit 'Hispanola' das fünfte Studioalbum auf den Markt. Und das war wirklich rund und eine Offenbarung in der Indie-Szene. Startend mit dem Opener This Is Michael, der neben dem Klassiker Kill Your Idols ebenfalls die Tanzflächen der Szene-Clubs füllte, hatten viele Lieder die gezähmte Rohheit und gleichzeitig sehr melodiösen Flair inne. Dazu wurde der Gesang von Keyboarderin Pia Lunda mehr in den Vordergrund gesetzt; bei dem rhythmischen I Don't Need Your Summer lief der Gesang parallel und The Day I Lost My Sleep gehörte ihr der Refrain dann allein. Merkte man dem Song schon eine gewisse Dichte und Tiefe an, wurde das mit Tracks wie König Hedon oder Ernest Statue noch intensiviert. Love-Hate-Crap! und De-Generators sind echte Post-Punk Knaller. Vertraut wirken Lieder wie Jules Verne oder Don't Kill Me Slaughter, die diese klassische Verdrehtheit von Mastermind und Gitarrist Phillip Boa wiedergeben. Lieder wie Eva In The Froggarden machen einfach Spaß, während gegen Ende des Werkes mit I'm So Phisticated und Boa-Diddley das Ganze nochmal bodenständiger, aber typisch Boa daherkommt. 'Hispanola' ist schon ein Album, was zwar den Zenith erreicht hat, aber auf dem sich PHILLIP BOA AND THE VOODOOCLUB einige weitere Alben lang herumtreiben konnten. Muss man auch erstmal schaffen...

    Erscheinungsdatum: 1990
    Format: CD/LP/MC
    Label: Polydor
    Tracklist:
    1. This Is Michael
    2. I Don't Need Your Summer (Blood Strangled Banner)
    3. The Day I Lost My Sleep
    4. Jules Verne
    5. Love-Hate-Crap!
    6. König Hedon
    7. Rocshee
    8. They Paint The Silence (Blood Strangled Banner - The Occident)
    9. Don't Kill Me Slaughters
    10. Ernest Statue
    11. Eva In The Froggarden
    12. De-Generators
    13. 29th Life-Affair
    14. I'm So Phisticated
    15. Boa-Diddley

    Videoclip 'This Is Michael'

    Samstag, 23. Mai 2026

    RUTS DC - Essen, 17.05.2026



    Es ist schon wunderbar, dass sich auch im 50. Jubliäumsjahr des Punk-Rock-Schiffs etliche Bands noch auf den Weltmeeren herumtreiben – so auch das britische Trio RUTS DC, welche in den Anfangsjahren unter THE RUTS Aufsehen erregten; mit dem Herointod ihres Frontmannes Malcolm Owen jedoch einen herben Rückschlag erlitten. Doch sie sind noch da, bringen gelegentlich neue Werke raus und touren recht rege in der Gegend umher. So machten sie auch 2026 eine kleine Europa-Tour mit dem Titel 'Live + Electric'. Der Gig im Essener ‚Don’t Panic‘ hatte dabei die Besonderheit, dass er schon am Spätnachmittag starten sollte. Also reiste man schon frühzeitig ins Ruhrgebiet, um das Trio live erleben zu können...

    Die mittlerweile auch gereiften verbliebenen Mitglieder Dave Ruffy an den Drums, Paul Fox an der Gitarre und Bassist Vince Segs aka John Jennings, der ebenfalls den Gesang übernahm, ließen sich ein wenig Zeit, um auf die überschaubare Bühne zu steigen; immerhin war dies vorteilhaft für das Publikum, welches bis dahin die Location sehr gut gefüllt hatte. Ohne großen Schnickschnack legten die allesamt mit Kopfbedeckung auftretenden Briten mit The Vox Teardrop los und reisten samt dem Publikum musikalisch durch die Zeit. Natürlich ist das Debütalbum ‚The Crack‘ aus dem Jahre 1979 Hauptlastträger der Gigs – wen wundert’s bei der Anhäufung von wunderbaren Punk-Rock Songs auf diesem Werk. Lieder wie S.U.S. oder West One (Shine On Me) mussten einfach in der Setlist stehen, es wäre sonst ein Reinfall geworden, denn die Fans vergöttern dieses Album. Allerdings hat die Band ja auch unter RUTS DC auch einige tolle Scheiben ans Tageslicht gebracht und gerade vom jüngsten Werk 'Counterculture?' waren etliche Songs auf der Setlist zu finden, wie erwähnter Opener, der Knaller Born Innocent oder auch Too Much. Spielfreudig zeigte sich das Trio allemal, denn scheinbar war es doch ein wenig überraschend, dass der Laden trotz früher Startzeit sehr voll war. Leider gab es den kleinen Wehmutstropfen, dass die Briten keines der Songs von ihrem ersten Album ohne Malcolm im Programm hatten; ich finde, dass 'Animal Now' sehr gut die Reggae-Einflüsse. Umso mehr wurde das Lied Jah War abgefeiert. Der wohl bekannteste Song von RUTS DC namens Babylon's Burning bildete dann auch schon den Abschluss des kurzweiligen Spätnachmittags.

    RUTS DC
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Lange mussten die Fans jedoch nicht auf den Nachschlag warten, der mit dem jüngeren Track Pretty Lunatics startete und mit Staring At The Rude Boys eine Granate nachfolgen ließ. Das Trio beherrscht ihr musikalisches Handwerk bestens. Mit dem schon etwas betagteren Lied Psychic Attack wurde dann auch der wunderbare Gig beendet. RUTS DC sind auf jeden Fall immer wieder einen Konzertbesuch wert und bleiben uns hoffentlich noch viele Jahre lang erhalten!

    John 'Segs' Jennings
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Datum: 17.05.2026
    Ort: Essen
    Location: Don't Panic
    Spieldauer: ca. 80 min.

    Setlist:
    01. The Vox Teardrop
    02. S.U.S.
    03. Mighty Soldier
    04. Too Much
    05. West One (Shine On Me)
    06. It Was Cold
    07. Demolition Dancing
    08. Born Innocent
    09. Faces In The Sky
    10. Jah War
    11. Poison Games
    12. Kill The Pain
    13. Bound In Blood
    14. Counterculture?
    15. In A Rut
    16. Babylon's Burning
    Zugabe:
    17. Pretty Lunatics
    18. Staring At The Rude Boys
    19. Psychic Attack

    Donnerstag, 21. Mai 2026

    Andreas Eschbach - Die Auferstehung

      Rezension zu 'Die Auferstehung' von Andreas Eschbach



    Erscheinungsjahr: 2025 (Originalausgabe: 2025)
    Format: Hardcover
    Seitenanzahl: 450
    Verlag: Kosmos
    ISBN-13: 978-3-440-17974-1
    Preis: 24,00 €


    KURZBESCHREIBUNG: 
    Nach sieben Jahren taucht die im südamerikanischen Dschungel verschollen geglaubte Tracy Hitman wieder auf - ein echtes Wunder? Dies will aber ihre Tante Mary Kingsley gar nicht glauben, zumal ihr irgendetwas merkwürdig an der wiederauferstandenen Frau vorkommt. Aufgrund einer alten Visitenkarte der drei Fragezeichen wendet sich die Filmproduzentin an Justus Jonas. Der mittlerweile Mit-Fünfziger betreibt eine kleine Firma, die alte Dinge repariert. Die Zeiten als Teil der berühmten Detektive ist jedoch lange vorbei. Unabhängig davon erhält Literaturagent Bob Andrews von seinem Vorgesetzten Sebastian Quentcher den Auftrag, ein Interview samt Bericht von eben jener Tracy zu machen - stößt dabei jedoch auf Ablehnung. Er wendet sich an seinen alten Freund Peter Shaw, welcher mittlerweile einen guten Posten bei Google innehat. Wegen seiner umfangreichen Erfahrungen von Weltreisen soll er Bob bei dem Bericht unterstützen. Während die mittlerweile reifen Herren so unabhängig voneinander versuchen, das Mysterium um Tracy zu lösen, kommt Justus ihr sogar näher als ihm im ersten Moment lieb ist. Doch er kann anhand von Fingerabdrücken beweisen, dass die wieder aufgetauchte Person tatsächlich die Wahrheit sagt. Das dem nicht so sein kann, erklärt jedoch ihre Tante plötzlich plausibel. Geht es gar um eine Erbschaft, als sich herausstellt, dass Tracys Vater ziemlich krank ist? Vereint würden die ehemaligen Drei Fragezeichen gewiss den Fall knacken - jedoch ist die Stimmung zwischen Peter und Just nicht grundlos schlecht und es geht dabei um einen Unfall mit Todesfolgen. Im Alter hat man es schwerer, wie auch die einstigen untrennbaren Freunde erkennen müssen...

    KOMMENTAR:
    Alt sind sie geworden, die Drei Fragezeichen. Dies ist die zentrale Ausgangsstellung von dem Roman 'Die Auferstehung' welchen der deutsche Schriftsteller Andreas Eschbach geschrieben und 2025 veröffentlicht hat. Der in der Normandie lebende Autor ließ dafür bei den in der Buch- wie Hörspielserie ewig jungen Detektiven die Zeit weiterlaufen, bis sie ein Alter von Mitte fünfzig erreicht hatten. Und Justus Jonas, Peter Shaw sowie Bob Andrews haben so gut wie keinen Kontakt mehr; was der Leser sehr schnell erschreckend feststellen muss. So ist nun neben der mysteriösen Auferstehung von der Protagonistin Tracy Hitfield die weitere Frage, warum die drei ehemaligen Detektive denn regelrecht zerstritten sind. Immerhin beweisen sie sich allesamt immer noch als sympathisch, und Eschbach vermittelt auch deren Werdegänge glaubhaft. Das Buch von gut 450 Seiten nimmt gemächlich und Drei Fragezeichen-like Fahrt auf. Teilweise drängt sich die Kluft zwischen den ehemaligen Freunden dem Leser sogar mehr auf als der eigentliche Fall, welcher ebenfalls clever inszeniert wurde und sehr gut zu den alten Fällen der Detektive passt und sich mehr und mehr zu einem wirklich großem Abenteuer mit einigen überraschenden Wendungen entwickelt. Mit einem kräftigen Hauch Melancholie kommt so tatsächlich das typische Feeling auf und der Schriftsteller beweist, dass er zu einem der Besten seines Fachs gehört. In der Buchreihe der drei Jungs war er jedoch nie aktiv gewesen. Dafür packt er aber etliche klassischen Figuren der Serie sowie viele Erinnerungen an das Damals der jungen Detektive vom Schrottplatz in die Geschichte. 'Die Auferstehung' stellt somit ein Special dar, was nach dem Motto läuft: was wäre, wenn... und diese Aufgabe hat Eschbach bestens gelöst. Allerdings wissen wir alle: die Drei Fragezeichen werden niemals alt!
    8,5 von 10 Punkte

    BESONDERHEITEN:
    - Danksagung des Autors

    Mittwoch, 20. Mai 2026

    NASTY RUMOURS - Bochum, 29.04.2026



    Zum 50. jährigen Jubiläum des britischen Punk-Rocks ist es eine Freude, dass eine Schweizer Band des Genres durch Europa unterwegs war. Die Rede ist von den NASTY RUMOURS, welche sich mit einigen Veröffentlichungen sowie vielen Auftritten einen guten Namen gemacht hat. Da mir das Quartett schon als Vorgruppe von den U.K. SUBS positiv aufgefallen war, nutzte ich die Chance, die Kombo erneut auf der Bühne erleben zu dürfen. Passend auf meinen Geburtstag machte ich mich so ins 'Wageni' nach Bochum...

    Die Jungs aus dem Nachbarland hatten sogar für einen Support gesorgt; das war die Band DISPONAUTEN aus eben jener Stadt im Ruhrgebiet. Viel findet man über das Quintett nicht im hiesigen Netz; außer, dass ihre Live-Auftritte energisch seien und musikalisch schon die Punk-Rock Wurzeln herauszuhören waren. Dies kann ich nach dem Gig nur bestätigen. Die Jungs und das Mädel hatten sich tatsächlich zu fünft auf die kleine Bühne gezwängt und lieferten eine ordentliche Ladung Sound ab, der eingängig ist und hauptsächlich deutsche Texte nutzt. Allerdings rutschte gar ein französisches Lied in die Setlist. Zwei Dinge, die wirklich positiv auffielen waren, dass sich den Gesang die komplette Band teilte. Ja, Frontfrau und Keyboardin sowie Teilzeit-Bassist (die Instrumente wurden gelegentlich auch mal getauscht) hatten den Hauptgesang inne; aber es durfte jeder mal ran. Das zweite war, dass hier eindeutig zwei Generationen miteinander muszierten - wunderbar! Musik geht halt über alle Grenzen - auch über Altersgrenzen... Gute vierzig Minuten konnten die DISPONAUTEN auf der Bühne verweilen; brachten durch die Keyboards und dem weiblichen Gesang einen Hauch von IDEAL und haben meiner Meinung nach eine tolle Visitenkarte abgegeben. Ohren auf nach den DISPONAUTEN...

    DISPONAUTEN
    photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

    In der Enge des Raumes gestaltete sich der Umbau als hektisches Treiben, dass jedoch zielgerichtet zuging und bald waren schon die vier Schweizer Jungs auf der Bühne zu sehen. Mit Songs wie dem Opener Not Afraid To Say oder Ticking Timebomb heizten sie dem Publikum im eh schon sehr erwärmten 'Wageni' noch mehr ein und sogar ein wenig Pogo war in der Enge des Raumes machbar. Sänger Matthi erzählte von der bisherigen Tour und wie Gitarrist Paddy die ganze Zeit mit einer Erkältung zu kämpfen hatte - seitdem er übrigens einen Apfel gegessen habe. Zur Freude des vollen Hauses kamen auch die bekannteren Songs wie Straight To Your Heart oder Mercenary zum Tragen. Bassist Barry und Drummer Nash taten ihr übriges, um den Sound wunderbar in den Raum zu tragen. Die NASTY RUMOURS waren auch nicht das erste Mal in der Location und freuten sich, dass auch unter der Woche so viele Leute den Weg gefunden hatten. Ansonsten jagte das Quartett durch ihre Setlist, was bei den klassischen, kurzen Punk-Rock Songs recht flott ging. Ehe man sich versah, war mit Wanna Be On Top auch schon das Ende des Sets erreicht.  

    NASTY RUMOURS
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Aufgrund der kleinen Lokalität war gar nicht wirklich viel Zeit für Zugabe-Rufe; ruckzuck war die Band wieder auf der Bühne zurück und machten mit Kicks From '76 quasi weiter, wo sie aufgehört hatten. Es folgten noch die Lieder No Punkrock In My Car und Antisocial bis dann nach gut fünfzig Minuten der Gig absolviert war. In diesem familiären Umfeld war jedoch für ein Gespräch mit der Band, eindecken mit Merchandise oder ein abschließendes Bier auf jeden Fall noch Zeit. Bitte ihr Veranstalter größerer Festivals - holt NASTY RUMOURS in euer Programm - es lohnt sich allemal!

    Matthi
    photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


    Datum: 29.04.2026
    Ort: Bochum
    Location: Wageni
    Spieldauer: ca. 50 min.

    Setlist:
    01. Not Afraid To Say
    02. My Final Heartbeat
    03. Driving Me Insane
    04. Ticking Timebomb
    05. Kill Your Boyfriend
    06. Straight Up To Your Heart
    07. Guillotine
    08. Mercenary
    09. Shut The Hell Up
    10. Austerity Plan
    11. Leather Jacket
    12. Heroine
    13. Modern World
    14. Because Of You
    15. So Pissed Off
    16. I Need You
    17. Remember All Those Nights
    18. Wanna Be On Top
    Zugabe:
    19. Kicks From '76
    20. No Punkrock In My Car
    21. Antisocial