Sonntag, 21. Dezember 2025

PASCOW - Aschaffenburg, 05.11.2025



Um aus dem Studio-Alltag herauszukommen, hatten sich die Punk-Rocker von PASCOW zu einer kleinen Tour mit dem Namen 'Königreiche im Winter' entschieden, welche in Lokalitäten stattfinden sollte, in denen die Band noch nie gespielt hatte. Darunter war auch das etablierte ‚Colos Saal‘ in Aschaffenburg. Für mich die beste Anlaufstation der Tour, also ging es für mich ins nördlichste Bayern. Als Support hatte PASCOW die Kölner Alternative-Rock Band THE RED FLAGS eingeladen, welche logischerweise auch als erstes die Bühne betraten.

Die aus einem Schülerprojekt entstandene Band bietet nicht nur Frauen-Power pur auf, sondern hat auch schon Auftritte beim Rock am Ring im Portfolio. Noch recht jung ist das Debütalbum ‚Self-Centred And Delusional‘ wie auch die Mädels an sich. In ihren fünfundvierzig Minuten wurden so Songs wie der Opener Central Station (Mind The Gap) oder Hysterical Woman aus diesem Werk vorgetragen. Der Sound ist eine interessante Mischung aus Punk-Rock und Grunge bis hin zum Alternative-Rock und das Quartett bewies ihr Handwerk eindrucksvoll. Gitarristin und Sängerin Polly strahlt beim Singen trotz des teilweise wilden Sounds eine gewisse kühle Ruhe aus, während die Kolleginnen Murphy an der zweiten Gitarre, Joe am Bass und Mika an der Schießbude schon ein wenig energischer agieren. Mit dem nicht auf dem Album vorhandenen Song Numb erinnerte mich besonders die Gitarre an Fire In Cairo von THE CURE. Richtig ruppig kommt das Lied Little Girl herüber - wie einst die Anfänge von NIRVANA. Die Einflüsse werden deutlich und machen THE RED FLAGS interessanter als gedacht. Mit Pacify verabschiedeten sich die drei Damen und wünschten der Masse natürlich ganz viel Spaß mit PASCOW...

THE RED FLAGS
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

Zwei Komponente zeigten auf, dass der Abend im ‚Colos Saal‘ außergewöhnlich gut werden würde: zum einen war das Quartett plus der hauptsächlich gesanglichen Unterstützung durch Musikerin Jenny Collet, die sonst unter dem Künstlernamen COLLETTI aktiv ist, heiß darauf zu spielen und laut eigenen Bekundungen wirklich happy, diese Tour gestartet zu haben, um aus dem Studio herauszukommen und ohne Druck Musik zu machen. Dazu war die Location ausverkauft – und das auf einen Mittwoch! Dementsprechend ging es direkt nach dem Blueprint-Intro von den RAINBIRDS mit dem Knaller Monde in die Vollen. Sofort war das Publikum dabei und brachte den Club zum Beben. Die schon erwähnte Dame Jenny wurde stark in die Songs eingebunden; es gibt ja auch etliche in der musikalischen Bandhistorie von PASCOW mit weiblichen Backgroundgesang. Vorneweg natürlich Königreiche im Winter, was auch frenetisch von der ausverkauften Hütte mitgesungen wurde. Die Stimmung schien sich mit jedem weiteren Lied steigern. Während Ollo richtig freudig auf die Trommeln drosch, Gitarrist Swen einen Riff nach dem anderen raushaute und Bassist Flo einen Kreis nach dem anderen um sich herum drehte, machte sich Sänger Alex auch in den vollgedrängten Pulk, um mit dem Song Kriegerin einen feinen Moshpit zu starten. Da die Band auch Musikwünsche seltenerer Art mit im Gepäck hatte, konnte man sich an den tollen Liedern Äthiopien die Bombe oder Vierzehn Colakracher erfreuen. Sehr energiegeladen war auch die CÜNTSLER Coverversion von Spraypaint The Walls. Einen kleinen Break ergab es, als die Musiker die Bühne verließen, um Jenny samt Akustikgitarre den kompletten Raum zu lassen, ein sehr eindrucksvolles Wunderkind ins 'Colos Saal' zu singen - Gänsehaut-Moment. Danach ging es aber mit Silberblick & Scherenhände sofort wieder auf Vollgas. Der ganze Saal grölte nochmal gemeinsam das Lied To doof Too Fuck heraus, was dann auch das Ende des regulären Sets bedeutete. 

PASCOW
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


So abgekämpft die Jungs und das Mädel auch waren, drei Songs hatten sie noch als Zugabe im Petto. Beginnend mit Paris fällt und dem abschließenden Trampen nach Norden, die ebenfalls oft von Fans gewünscht wurden, deutete der Fokus des musikalischen Zuschlags deutlich in die Frühzeit der Band, welche nur von dem noch jüngeren Lied Daniel & Hermes unterbrochen wurde. Nach gut eineinhalb Stunden wirkten PASCOW wie die Fans in Aschaffenburg erschöpft aber ungemein befriedigt. Für einen Mittwochabend eine sehr exzessive und krasse Nummer - eins der besten Konzerte in 2025, die ich besuchen durfte!

Alex Pascow
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Datum: 05.11.2025
Ort: Aschaffenburg
Location: Colos Saal
Spieldauer: ca. 90 min.

Setlist:
01. Monde
02. Jade
03. Königreiche im Winter
04. Die Realität ist schuld, dass ich so bin
05. Diene der Party
06. Äthiopien die Bombe
07. Wenn Mila schläft
08. Himmelhunde
09. Castle Rock
10. Merkel-Jugend
11. Tom Blankenship
12. Vierzehn Colakracher
13. An die Maulwürfe
14. Sturm, der durch Erlen zieht
15. Mailand
16. Spraypaint The Walls
17. Kriegerin
18. Wunderkind
19. Silberblick & Scherenhände
20. Gottes Werk und Teufels Beitrag
21. Mond über Moskau
22. Too doof Too Fuck
Zugabe:
23. Paris fällt
24. Daniel & Hermes
25. Trampen nach Norden

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen