Sonntag, 20. September 2026

Der Fluch - Richard Bachman

 Rezension zu 'Der Fluch' von Richard Bachman



Erscheinungsjahr: 2011 (Original: 1984)
Format: Taschenbuch
Seitenanzahl: 384
Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-43578-0
Preis: 8,99 €


KURZBESCHREIBUNG: 
Als der Anwalt William Halleck eine alte Zigeunerin überfährt und vor Gericht glimpflich davon kommt, nimmt das Zigeuneroberhaupt Tamuz Lemke die Gerechtigkeit selber in die Hand und verflucht den übergewichtigen Familienvater. Fortan wird dieser dünner und dünner. Was anfangs noch als angenehm erscheint wird bald nicht nur zu einer Nervenprobe – es geht ums nackte Überleben. Da weder seine Familie noch sein Arzt Dr. Houston an den Fluch glauben möchte, nimmt Billy die Spur des Oberhauptes der Zigeuner auf, um das Unaufhaltsame abzuwenden. Die erste erschreckende Erkenntnis, die der schwindende Mann macht, ist, dass er nicht als einziger Verflucht wurde und Richter Cary Rossington wie Sheriff Duncan Hopley ebenfalls dem Tod zusteuern. Billy wird klar: nur der alte Zigeuner wird ihn retten können – doch ist dieser mit seinen Rachegefühlen dazu bereit? Ein Wettrennen um die Zeit beginnt...

KOMMENTAR:
Das Buch ‚Der Fluch‘ war vorerst das letzte des Schriftstellers Richard Bachman; wurde kurz nach Veröffentlichung bekannt, dass hinter diesem Pseudonym niemand geringeres als der amerikanische Horror-Autor Stephen King steckt. Schnell stiegen die Absatzzahlen der Bachman-Bücher und King verlor den Reiz an dem heimlichen Schriftsteller-Treiben. Interessanterweise ist gerade dieser Roman von der Handlung her näher an dem üblichen Lesestoff von King; hat ein Fluch ja schon eine übernatürliche Eigenschaft inne. Das Werk erschien 1984 und verkaufte sich dann dementsprechend gut. Mit absteigendem Gewicht von Billy macht Bachman/King die Handlung spannender und spätestens als sich der immer dünner werdende Mann an den Ganoven Richard Ginelli wendet, nimmt der Roman richtig an Fahrt auf. Sehr gut bringt der Schriftsteller die steigende Verzweiflung in dem Verfluchten rüber, aber auch die Sichtweise von Lemke ist sehr gut niedergeschrieben. Da ich den Roman vor Jahrzehnten gelesen hatte, war mir das Ende nicht mehr ganz bewusst in Erinnerung geblieben und wirkte erneut sehr krass auf mich. 'Der Fluch' ist ein weiteres sehr starkes Buch aus den heutzutage Bachman-Reihe genannten Bund. Es erinnert an viele wunderbare Kurzgeschichten des amerikanischen Autors, die manchmal auch nur eher eine Prise Übernatürliches inne haben; hier hat er solch eine Geschichte zu einem Roman aufgebaut. Zu erwähnen bleibt noch, dass in der jüngeren Ausgabe aus dem Heyne Verlag beide Anmerkungen von Stephen King vorhanden sind; die erste wurde etwas frustriert kurz nach der Entlüftung des Bachman-Pseudonyms geschrieben - das zweite mit einem gewissen zeitlichen Abstand und der Verarbeitung des Ganzen in dem Roman 'Stark -The Dark Half'. Wie auch immer - 'Der Fluch' ist wie alle Bachman-Bücher eine große Empfehlung für Freunde von dunklen Fiktionen...
8,5 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN: 
- es ist der fünfte veröffentlichte Roman von Stephen King unter dem Pseudonym Richard Bachman
- Vorwort des Autors
Anmerkung des Autors zum Pseudonym

Raus aus dem Keller Festival - Egelsbach, 05.09.2026

  



Die Open-Air Saison neigt sich schon wieder dem Ende entgegen, da hieß es für mich noch das kleine Festival in Egelsbach mitzunehmen. Das 'Raus aus dem Keller-Festival' gibt es schon über zehn Jahre und bringt viele kleinere Bands auf die Bühne und fördert außerdem den musikalischen Nachwuchs. Das ist mehr als aller Ehren wert, zumal das ganze Event sehr liebevoll hochgezogen wurde. Die Zielrichtung ist dabei Rock, Indie und Punkrock. Mit WSTR gab es sogar eine junge Band aus Großbritannien.
So ging es zeitig in Richtung Frankfurt, um mich vor Ort davon zu überzeugen, ob das Festival denn sein Versprechen hält. Ein paar Eindrücke habe ich mal hier zusammengefasst...
  • schon früh war das Festivalgelände, welches mit Girlanden und Luftballons sehr schick gemacht war, gut besucht; insgesamt wurden zwischen 700 und 800 Fans erwartet
  • neben dem Rondell gab es natürlich auch Fressbuden und interessanterweise die besten Pommes, die ich je auf einem Festival gegessen habe
  • Der Merchstand war leider bei den ersten Bands etwas verwaist, was aufzeigte, wie sehr die Veranstalter sich um wirklich junge Nachwuchsbands bemühen; jene, die wirklich am Start stehen

SCHEIBA
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

  • mit HARMONIC FAITH und NEW DUSK hatten zu Beginn zwei junge Bands etwas Bühnenzeit bekommen, bevor HELENA SCHOLZ - bekannt aus 'The Voice Kids' einige Songs vortragen durfte
  • SCHEIBA waren richtig heiß auf ihren Auftritt, doch leider bremste die Technik sie etwas ein und sie hatten eine Viertelstunde weniger Zeit zu agieren
  • der Auftritt von DYSTL war ihr allererster; die Band entspringt mit Sänger und Gitarrist Hans Koch und Gitarrist Jonas Jakob aus der Combo 8KIDS
  • Keyboarder Bastian Schächter ist nicht nur bei der RASSELBANDE aktiv, er unterstützt auch mit den Tasten die ELSCHBÄCHER GOLDKEHLCHEN

WSTR
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com

  • das Quartett von WSTR kam aus dem Vereinigten Königreich angereist und überzeugte mit ihrem melodiösen Punk-Pop
  • Mit dem Rapper BOSCA gab es einen kleinen Stilbruch, der aber sher gut aufgenommen wurde
  • FRIENDS DON'T LIE sind für mich gerade die große Überraschung in der Szene; der wunderbare Auftritt mit der Spiellust des Trios bewies dies eindeutig
  • ein langer Tag und die anstehende Rückfahrt reichte dann nicht mehr für VAN HOLZEN; habe mir aber sagen lassen, dass diese abgerissen hatten
FRIENDS DON'T LIE
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Datum: 05.09.2026
Ort: Egelsbach
Location: Bürgerhauswiese


Running Order:
14:00  HARMONIC FAITH & NEW DUSK & HELENA SCHOLZ
15:10 DYSTL
16:00 RASSELBANDE
16:40 ELSCHBÄCHER GOLDKEHLCHEN
17:05 SCHEIBA
17:55 STILL TALK
18:50 FRIENDS DON'T LIE
19:50 WSTR
21:00 BOSCA
22:15 VAN HOLZEN

Montag, 14. September 2026

FRIENDS DON'T LIE - Zenit der Dramaturgie

...neu in meinem CD-Regal....

FRIENDS DON'T LIE - Zenit der Dramaturgie


Etwas überraschend hat das Trio der Band FRIENDS DON'T LIE ihr neues Album als Debüt angekündigt. Immerhin haben die drei Freunde Markus Ziesch, der Gitarre und Mikro bedient, Jens Ole Emser am Schlagzeug und Stefan Suchoroschenko am Bass schon ein Album und eine E.P. via Bandcamp am Start. Allerdings haben die Jungs nach einem Bandcontest-Gewinn und einem Auftritt beim Rock am Ring einen Vertrag mit dem Plattenlabel Uncle M erarbeiten können und nun mit Rückendeckung quasi einen zweiten Start hingelegt. Wie dem auch sei - das neue Werk 'Zenit der Dramaturgie' ist in erster Linie als Mutmacher zu sehen. Die Texte sind größtenteils dafür ausgelegt, sich aufzuraffen und die Dinge, die einen bewegen, anzugehen. Dies startet direkt mit dem Opener Unsere Zeit, was ebenfalls aufzeigt, dass die Band weiterhin in dem Punk-Genre zuhause ist; wobei der Song direkt die Vielfalt von FRIENDS DON'T LIE aufbietet; etwas Pop, ein bisschen Rap und jede Menge Gitarrenpower durch Breaks und schnelle Riffs. Das alles gilt für diese zehn Tracks wie das folgende Angst, was textlich das Programm auf den Punkt bringt! Jahr für Jahr steigert sich in den Refrain und ist ein flotter Tanzkracher. Mit 2 Uhr Nachts ist ein sehr starker Ohrwurm vertreten - das Ding will gar nicht mehr aus dem Kopf. Unterstützt von VINTA & GRELL bringt Jede Zeile ein Schrei den Song mit dem meisten Rap auf diese Scheibe. Der ruhigste Song ist Tausend Türen, der nicht nur eine wunderbare Ballade darstellt, bei der man gerne sein Feuerzeug zückt, sondern textlich ebenfalls sehr viel Mut macht. Splitter knallt nochmal richtig in die Ohren und mit Blackout gibt es zum Abschluss nochmal einen atmosphärischen und treibenden Track. Dieses Album von FRIENDS DON'T LIE ist erfrischend und gibt am Zenit der Dramaturgie jede Menge Mut - ein klarer Favorit für die Top 3 der Alben von 2026!

Erscheinungsdatum: 29.05.2026
Format: LP
Label: Uncle M
Barcode: ---

Tracklist:
  1. Unsere Zeit
  2. Angst
  3. Jahr für Jahr
  4. 2 Uhr Nachts
  5. Jede Zeile ein Schrei
  6. Dieses Lied
  7. Hoch hinaus
  8. Tausend Türen
  9. Splitter
  10. Blackout
Videoclip 'Angst'

Dienstag, 8. September 2026

BETTEROV - Fulda, 28.08.2026




Der Sommer neigt dem Ende und die hiesigen Städte gehen mit ihren Festivals in die letzten Runden. Da ich in diesem Jahr die Musik vom Indie-Musiker BETTEROV für mich entdeckt habe, war ich froh, auf dem Kultur.Findet.Stadt Festival in Fulda mir sogar noch in 2026 ein Bild von dem Künstler und seiner Band ein Bild seiner Live-Performance machen konnte. 
Das im wunderschönen Museumshof den kompletten August stattfindende Festival bietet ein buntes Programm mit Künstlern aus den verschiedensten Genren. BETTEROV ist in erster Linie der Sänger und Musiker Manuel Bittorf, der mit seinen Kollegen mittlerweile zwei Alben und eine E.P. auf den Markt gebracht hat, die eine eigenwillige Art an Texten und mit einigen Tendenzen zu den Sound der Achtziger zusammengepackt hat. Ich war gespannt, wie sich dies Live auswirken würde.

Mit leichter Verzögerung kam mit einem Intro das Quartett auf die Bühne, wobei Sänger Manuel direkt hinter dem Piano Platz nahm und mit dem Titelsong des aktuellen Albums Große Kunst einen etwas ruhigeren Einstieg in die Setlist brachte. Flotter wurde es bei dem folgenden Song High, welcher das Publikum auch wachrüttelte und mitnahm. Es folgte ein Mix aus den Werken der Band wie das flotte Nacht sowie Angst oder melodiöse Songs wie Schlaf gut oder Bring mich nach Hause. Die Band war happy, in Fulda spielen zu dürfen, war Sänger Manuel quasi in der Nähe aufgewachsen und in der Stadt oft zu Besuch. Dazu waren wohl sein Fußballverein, seine Familie und Freunde zugegen, was es wohl zuletzt bei der Einschulung der Fall war. So nahm er auch wieder hinter den Tasten Platz, um mit den Liedern 17.07.1989 und 18.07.1989 passenderweise die Tage der Flucht seines Vaters aus der damaligen DDR zu musikalisch emotional aufzuarbeiten. Auch der heitere Mücken Song wurde in Folge mit Piano begleitet und natürlich gaben die Musiker, die vom Sänger dann auch noch vorgestellt wurden; also Max von der Goltz am Schlagzeug, Paul Breiting am Bass und Dennis Borger an der Gitarre, mächtig Gas. Toll war, dass auch weniger bekannte Songs wie Jill Sander Sun am Start waren oder auch das aus dem Live Album bekannten Platz am Fenster, welches sehr viel Spaß machte. Neben dem Spaß gab es natürlich auch nachdenkliches, was auf einem Festival für Vielfalt und Kultur aller Welt wichtig ist; denn es geht in Deutschland gerade ein alter Geist um, der sich wieder manifestiert und Gefahr bringt, diese Vielfalt und Freiheit einzudämmen. Mit dem wunderbaren flotten Song In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab verließen dann die Jungs von BETTEROV die Bühne...

BETTEROV
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Das Ende bedeutete es noch nicht ganz, denn das Quartett hatte noch etwas Bonusmaterial im Gepäck. Zum einen gab es den Titelsong der ersten E.P. . Viertel vor Irgendwas ist irgendwie der Inbegriff von BETTEROV, aber auch der wohl bekannteste Song der Band durfte noch gefeiert werden. Das ist das Lied Dussmann. Ein wunderbarer Abschluss für einen wunderbaren, musikalischen Abend in einer besonderen Atmosphäre. Und das gilt für die Zuschauer wie auch für die Band mit Manuel Bittorf vorneweg...

Manuel Bittorf
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Datum: 28.08.2026
Ort: Fulda
Location: Museumshof
Spieldauer: ca. 100 min.

Setlist:
01. Große Kunst
02. High
03. Nacht
04. Du hast in mein Herz gemalt
05. Jil Sander Sun
06. Sag nicht deinen Namen
07. Schaf gut
08. Bring mich nach Hause
09. 17. Juli 1989
10. 18. Juli 1989
11. Alles nur ein Film
12. Papa fuhr immer einen großen LKW
13. Immer die Musik
14. Mücken Song
15. Hier wache ich
16. In meiner Straße
17. Angst
18. Mein Leben ist monoton
19. Platz am Fenster
20. In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab
Zugabe:
21. Viertel vor Irgendwas
22. Dussmann

Dienstag, 1. September 2026

Kampf und Tod (Die Napoleon Saga 1809-1815) - Simon Scarrow

  Rezension zu 'Kampf und Tod (Die Napoleon-Saga 1809-1815)'

von Simon Scarrow


Erscheinungsjahr: 2021 (Originalausgabe: 2010)
Format: Klappcover
Seitenanzahl: 896
Verlag: Heyne
ISBN-13: 978-3-453-47170-2
Preis: 11,99 €


KURZBESCHREIBUNG:
Die Abneigung von Napoleon Bonaparte gegenüber den Engländern ist groß und seiner Meinung nach der größte Störfaktor für einen Frieden in Europa. Da sich aber die anderen Länder nicht wirklich um das Embargo gegen die Engländer hält, werden aus Drohungen des Kaisers von Frankreich schnell eine Kriegserklärung gegen Österreich, die Preußen und den Russen. Diese wissen aber mittlerweile besser gegen die große Armee zu kämpfen, dass die Siege für Frankreich seltener und vor allem aufwendiger werden. Gleichzeitig wächst der Druck in der Hauptstadt: die Menschen möchten den Frieden und erwarten außerdem einen Thronfolger von Napoleon. Seine Kaiserin Josephine ist jedoch nicht mehr in der Lage, Kinder zu gebären – er muss sich von ihr trennen und eine fruchtbare Gemahlin finden! Bonaparte hat also viele Probleme, die zu lösen sind, um Herr der Dinge zu bleiben. Dabei nimmt er die Lage auf der Iberischen Halbinsel nicht richtig ernst, obwohl der jüngst zum General ernannte Arthur Wellington – er wählte nach einigen Erfolgen und dem schlechtgeredeten Ruf des Namens Wellesley im eigenen Land wieder diesen Nachnamen – viele Siege einheimsen kann. Da dies die Politiker und die Armeen von Portugal und Spanien überzeugt, gibt es immer mehr Unterstützung für die Briten. Und Wellington nutzt dies geschickt aus, um die Franzosen in die Schranken zu weisen und hoffentlich bald Bonaparte aus dem Kaiserstuhl zu stoßen...

KOMMENTAR:
Das vierte und letzte Buch der Napoleon Saga zeigt detailliert den Niedergang von Napoleon und der Grande Armee auf. Der Autor Simon Scarrow zeigt hier ganz klar auf, dass fehlendes Einschätzungsvermögen, der unbändige Hass auf die Engländer und letztlich die besser gewordene Taktik seiner Gegner zum Fallbeil wurden. Spannend wie in den vorherigen Bänden beschreibt Scarrow, wie Napoleon sich nur noch unter Mühen gegen die Preußen und Österreicher behaupten kann und wie groß am Ende der Brocken Russland war. Auch der Zwiespalt von Bonaparte mit seinen Verwandten und Beratern wird hier in tollen Worten klar gemacht. Der selbstgekrönte Kaiser wird zu einer tragischen Figur, während sein Gegner Wellington überlegt und kühn gegen die Franzosen aus dem Westen her angeht. Scarrow erklärt hier deutlich in dem Roman, dass diese beiden Strategen wirklich nur für den Krieg geboren waren. Nur dort schienen sie sich wirklich berufen gefühlt zu haben. Chronologisch bereitet Scarrow sehr unterhaltsam die Gegebenheiten von vor über zweihundert Jahren auf; besonders dem großen Finale in und um Waterloo widmet er einen sehr ausführlichen Ablauf der Ereignisse auf dem Schlachtfeld. So steht dieser vierte Band mit dem passenden Titel 'Kampf und Tod' seinen Vorgängern in nichts nach und macht die Napoleon-Saga zu einem lebendig gewordenen Geschichtsunterricht, den man besser nicht schreiben kann. Eine Menge Lesestoff sind die vier Romane - zugegeben, aber das Leben der beiden Kontrahenten Bonaparte und Wellington haben dies einfach zu bieten und waren bei Simon Scarrow in den allerbesten Händen!
9,3 von 10 Punkte

BESONDERHEITEN:
- vierter Roman der Napoleon-Saga
- Landkarten der iberischen Halbinsel, der Schlacht von Wagram, den Kampfschauplätzen in Russland und dem Waterloo-Feldzug im Juni 1815
- Anmerkungen des Autors 

Freitag, 28. August 2026

ENTSTAUBT ... im Juni ...

...Die 'ENTSTAUBT'-Rubrik ist ein Tribut an Alben, 
die mindestens zwanzig Jahre auf dem Buckel haben...


THE SMITHS - The Queen Is Dead



Mit dem Album 'The Queen Is Dead' waren THE SMITHS so ziemlich auf dem Hoch ihrer Karriere angelangt - nicht wissend, dass das Quartett mit dem charismatischen und somit auch schwierigen Menschen Sänger Morrissey nur noch zwei Jahre bestehen würde. Der klassische, britische Indie-Rock sieht seine Wurzeln ganz klar im Rock und Pop von Großbritanien der sechziger Jahre, hat aber auch Einflüsse der damals jüngsten Genre-Arten wie Punk oder Wave vorzuweisen. Der Opener The Queen Is Dead treibt direkt nach vorne und direkt sind die individuellen Qualitäten der Musiker zu erkennen. Die weiche, aber auch prägnante Stimme von Morrissey passt hervorragend zum Gitarrenspiel des Johnny Marr, dem fortlaufenden Bass des leider schon verstorbenen Andy Rourke und dem treibenden Schlagzeug von Mike Joyce. Frankly, Mr. Shankly ist ein eher freudiger Song und schielt in Richtung Sixties. Ruhiger wird es dann mit dem Lied I Know It's Over, was ein wenig melancholisch daherkommt und stellenweise aus sich herausgeht. Das war ja grundsätzlich eine Stärke von THE SMITHS. Auch Never Had No One Ever ist eher verhalten und ruhig. Chillig und somit ironisch zugleich wirkt Cemetary Gates. Mit Bigmouth Strikes Again folgt wohl eins meiner absoluten Lieblingslieder der Briten. Treibend und eingängig gehen die Melodien in die Gehörgänge - und bekommt sie nicht mehr los. Zwei weitere tiefgehende und ruhige Songs folgen mit The Boy With The Thorn In His Side und seinen Geigen zum Heulen schönen There Is A Light That Never Goes Out. Das Ende dieses kurzen aber wirklich als Meilenstein zu bezeichnenden Werkes ist das sarkastische Some Girls Are Bigger Than Other. Gefühlvoll in der Musik und gefühlslos im Gesang zugleich - sehr speziell. Definitiv ist das Album von 1986 der Höhepunkt der Bandhistorie, die natürlich gänzlich ziemlich hoch flog - und leider durch die Streitigkeiten der Bandmitglieder tief fiel. Sehr schade, allerdings bleiben die Alben wie eben 'The Queen Is Dead' erhalten...

Erscheinungsdatum: 1986
Format: CD/LP/MC
Label: Rough Trade
Tracklist:
  1. The Queen Is Dead
  2. Frankly, Mr. Shankly
  3. I Know It's Over
  4. Never Had No One Ever
  5. Cemetary Gates
  6. Bigmouth Strikes Again
  7. The Boy With The Thorn In His Side
  8. Vicar In A Tutu
  9. There Is A Light That Never Goes Out
  10. Some Girls Are Bigger Than Others

Videoclip 'The Boy With The Thorn In His Side'

Montag, 24. August 2026

Rock am Turm Festival - Coesfeld, 21.- 22.08.2026

  



Es gibt nur noch wenige Festivals, bei denen der Eintritt frei ist und sich das Ganze über Fördermittel, Sponsorengelder und den Getränkeeinnahmen finanzieren soll. Wenn dazu auch noch hochkarätige Künstler her sollen, wird das Ganze zu den immer größer werdenden Auflagen ein fast aussichtsloses Unternehmen. In Coesfeld gibt es nun schon zum fünfundzwanzigsten Mal das 'Rock am Turm' Festival, was sich durch gute Sponsoren noch über Wasser halten kann. Zu diesem Jubiläum waren wirklich tolle Künstler eingeladen worden, die sich hauptsächlich aus dem Punk- und Indie-Rock Umfeld hervortun.

Zeitlich war der Freitag nicht machbar, aber da der Samstag weniger von meinem Urlaub her verplant war, ging es spontan in den Norden von NRW, um den Tag direkt neben der alteingesessenen Location 'Fabrik' zu genießen. Ein paar Eindrücke habe ich mal hier zusammengefasst...
  • der Besucherandrang war sehr hoch und damit auch der Hunger, was zu einer über fünfzig Meter langen Schlange an dem Pommes-Tempel führte
  • Hinter das komplexe System mit den Wertkarten muss man erstmal steigen, damit man nicht den Überblick verlor
  • Den Merchstand nutzten nicht nur die angereisten Bands, sondern auch die Veranstalter hatten wunderschöne Shirts, Bändchen und andere Gimmicks in der Auslage

BUTTERWEGGE
photo: © Ralf Michael Benfer / benfisworld.blogspot.com

  • BUTTERWEGGE waren zwar diesmal komplett anwesend - also mit Posaune und Trompete, doch dafür hatten sie ihr Merchandise komplett vergessen
  • TELUXE ist ein Duo von SLIME Sänger Tex Brasket und Lucas Uecker, Sänger und Gitarrist bei LIEDFETT, die sehr beeindruckend ihre Lieder vortrugen 
  • TREPTOW sind ebenfalls ein Duo, welches aus Berlin kommt und mit Gitarre und Schlagzeug unglaublich gute Lieder machen, die textlich sehr tiefgründig sind - meine Überraschung des Abends

TREPTOW
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com

  • KAPELLE PETRA wirkte sehr komplett an diesem Abend und überzeugte mit einem perfekten Set ihres Indie-Rocks
  • Lucas Uecker machte auch einen Kurzbesuch beim Auftritt von KAPELLE PETRA, um das Publikum mit einzuheizen
  • ENGST als letzte Band und somit irgendwie Headliner war zwar etwas überraschend, allerdings bewies das Quartett mit einem mitreißenden Auftritt, dass dies gerechtfertigt war
  • Für diese Größenordnung war das Festival wirklich gut organisiert und bis oben erwähnte Dinge verlief an dem Abend alles sehr reibungslos - ein großes Lob an die Veranstalter
ENGST
photo: © Ralf Michael Benfer - benfisworld.blogspot.com


Datum: 22.08.2026
Ort: Coesfeld
Location: Fabrik


Running Order Tag 2:
13:30 Haus Hall Band (Bühne 1)
14:10 Terrorstahl (Bühne 2)
15:00 Randale (Bühne 1)
16:10 Soul Kite (Bühne 2)
17:00 Silent Revenants (Bühne 1)
17:50 ELNA (Bühne 2)
18:40 Der Butterwegge (Bühne 1)
19:55 Teluxe (Bühne 2)
20:45 Kapelle Petra (Bühne 1)
22:20 Treptow (Bühne 2)
23:15 Engst (Bühne 1)