Samstag, 20. Dezember 2014

Dampflokfahrt zum Aachener Weihnachtsmarkt - 06.12.2014


Eine Zugfahrt mit einer Dampflok zum Aachener Weihnachtsmarkt ... und das am Nikolaustag - Kinderherz, was willst du mehr? Das ist doch ein schöner Einstieg in die friedvollste und besinnlichste Zeit des Jahres. Das Ganze mehr durch Zufall mitbekommen; Karten geordert und im nebligen Dunst am Morgen des Nikolaustages zum Bahnhof getigert.
Es ist schon beeindruckend, wenn solch ein Koloss aus schwarz gestrichenem Stahl tutend und Dampf schnaubend in den Bahnhof einfährt. In diesem Fall war es eine Lokomotive aus dem Jahre 1943 aus der Wiener Lokfabrik, welche im Besitz des Ausrichters, den Eisenbahnfreunden Betzdorf e.V. ist.
Die Waggons kamen mir doch arg vertraut vor, mit solchen waren wir früher in den Siebzigern als Kinder zu unsere Oma gefahren. Die so schnell beschlagenden Fenster, das Kondenzwasser, welches über die Abflussrinne tropfte. Die super kleine Ablage für die insgesamt vier Personensitze, auf die kaum etwas passt. Der kleine Mülleimer, an dem man sich jedes Mal die Finger verbrannte, weil das Metall von der Heizung darunter ziemlich erwärmt wurde - das alles war Flashback pur.
Überraschend war jedoch, dass man auf diesen alten Sitzen ziemlich gemütlich die Fahrt über bis Aachen verweilen konnte. Und der große Vorteil der Waggons gegenüber moderneren Varianten: man kann die Fenster öffen! So konnte man bei Zwischenstopps doch immer mal versuchen, einen Blick auf die Antriebsmaschine zu erhaschen. Bei Fahrt war es angenehm, den zersträubenden Rauch am Fenster vorbei ziehen zu sehen und dem markanten Tuten der Lok zu lauschen.
Die Bewirtung fand im einstigen Dienstabteil statt. Dort konnten alle Mitreisenden zwischen Kaffee und kalten Getränken, Waffeln oder Würstchen wählen - und das zu wirklich günstigen Preisen.
Der Aachener Weihnachtsmarkt ist bestimmt einer der schönsten in Deutschland. Großen Wert wird hier auf Verkaufsbuden aus verschiedentlichen Handwerkszweigen gelegt, welche Besucher anlocken sollen. Hervorzuheben ist natürlich die Printenpherstellung - dafür ist diese Stadt nun ja mehr als bekannt. Und es lockt an, denn an einem Wochenend-Tag ist ab dem späten Nachmittag rund um den Kaiserdom, der immerhin schon im Jahre 796 Baubeginn hatte und in dem die Gebeine von Karl dem Großen ruhen sowie dem auch schon immerhin fast 800 Jahre altem Rathaus kaum noch ein durchkommen. Als Besucher begegnet man dort einer unglaublichen Sprachvielfalt. Natürlich angeführt von Niederländisch sind Italienisch, Englisch und Französisch ebenso keine Seltenheit. Verständlich ist es allemal, die gebotenen Speisen und auch der Glühwein sind qualitativ hochwertig und rund um diese Gebäude herrscht einfach ein besonderes Flair. Dieser Weihnachtsmarkt ist wahrhaftig eine Reise wert!
Um dem Trubel ein wenig aus dem Weg zu gehen, sind direkt um die Ecke nicht nur jede Menge Einkaufsläden, die zum Verweilen einladen, sondern auch noch Adventsmärkte am Holzgraben und am Kugelbrunnen. Ein Nachmittag ist da schon viel zu knapp an Zeit in der Domstadt.
Doch die Dampflok möchte seine Reisenden auch wieder zurück in die Heimat bringen und so machen wir uns mit der abendlichen Dunkelheit auf dem Heimweg. Bei dieser gab es dann die Möglichkeit, restaurierte Schlußlichter von alten Bahnzügen zu günstigen Preis zu erwerben, was den Eisenbahnfreunden etwas helfen soll...
Es ist übrigens schon ein behebendes Gefühl, in einem solchen Sonderzug den Rhein bei Dunkelheit und dementsprechender Beleuchtung von Köln und seinem Dom zu überqueren. Wen da noch nicht das Weihnachts-Gefühl packt, den kann man nun nicht mehr helfen...
So endet dann ein wunderbarer Tag, der viele schöne Erinnerungen aufrecht erhalten wird und man nur den Veranstaltern danken kann, dass sie ihr Hobby so wunderbar mit anderen Menschen teilen!
Frohe Weihnachten!!!
(All photos: © Ralf Michael Benfer/benfisworld.blogspot.com)